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Neuigkeit zur Petition: Himmelfahrtskommando

https://www.change.org/p/9802088/u/21802543

Thomas Nowotny

83071 Stephanskirchen, Deutschland

25. Okt. 2017 — „Die Fortsetzung der Pläne zur Rückführung von Afghanen ist erstaunlich. So hatte das Verkehrsministerium im Namen der Bundesregierung erst am 17. Oktober alle deutschen und europäischen Airlines gewarnt, den Flughafen von Kabul wegen drohender Raketenangriffe nicht anzusteuern und das Land nur in großer Höhe zu überfliegen.“ – schrieb der Spiegel vor zwei Tagen:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/afghanistan-innenressort-plant-trotz-konkreter-warnung-neuen-abschiebe-flug-a-1174181.html

Die tschechische Crew (Kontakt zur Airline: Tel.: +421 232 788 088 [8:00 – 17:00] Email: bts.airport@travelservice.aero ) zeigte ebenso wie die begleitenden 60 Polizisten, eine Ärztin etc. nicht nur Todesverachtung, sondern auch Unmenschlichkeit gegenüber denen, die in Kabul bleiben mussten.
„Für die eigenen Leute haben die Behörden bereits vorgesorgt. So gilt für die Bundespolizei bei Abschiebungen die Regel, dass die Begleit-Beamten den Airport wegen der fragilen Sicherheitslage nicht verlassen und sofort mit der gleichen Maschine nach Deutschland zurückfliegen müssen.“ (Spiegel)

Allein in der letzten Woche starben in Afghanistan über 250 Menschen durch eine Anschlagsserie – doch das ist in dem kriegsgeschüttelten Land inzwischen traurige Routine.
https://ahmadpouyaistwillkommen.blogspot.de/2017/10/blutige-woche-in-afghanistan-taliban.html?spref=fb

„Viele Leute denken, der Terror in Kabul ist immer präsent.
Aber das stimmt nicht.
Er kommt aus dem Nichts, und dann verschwindet er wieder“

„Volatil“ nennt de Maizière die Lage dort.
(von lateinisch volatilis ‚veränderlich‘, ‚beweglich‘, ‚flüchtig‘, ‚dampfförmig‘)
Wenn ich versuche, das zu übersetzen, kommt raus: Dort kann jederzeit alles in die Luft fliegen.

Gestern mittag, Anruf beim Bürgertelefon des BMI, *
Tel. 0228-99 681-0… (Gedächnisprotokoll)
„Bundesministerium des Innern, was kann ich für Sie tun?“
Guten Tag, mein Name ist Nowotny, Kinder- und Jugendarzt. Ich möchte entschieden gegen die geplante Sammelabschiebung nach Afghanistan protestieren!
„Dafür sind wir gar nicht zuständig, das entscheiden die Länder:“
Doch, das entscheidet Ihr Haus, ob der Flieger startet. Da fliegt ja die Bundespolizei mit, und deren Dienstherr ist Ihr Chef!
„Nein, das entscheiden die Länder.“
Das nenne ich organisierte Verantwortungslosigkeit!
„Das ist so nicht richtig.“
Die Länder entscheiden, wer mitfliegen muss. Aber dass überhaupt nach Afghanistan abgeschoben wird, entscheidet Ihr Haus!
„Nein, wir sind nur der Gesetzgeber“.
So weit ich weiß, ist der Bundestag der Gesetzgeber.
„Nein, das Bundesministerium des Innern macht die Asylgesetze.“
Kann ich mal jemanden sprechen, der sich auskennt und verantwortlich ist?
„Das ist leider nicht möglich. Und ich kenne mich sehr gut aus hier im Ministerium!“
Dann geben Sie mir doch bitte die Faxnummer…
[Das tat sie dann auch, aber ich weiß nicht, ob die jedenfalls stimmt]

Sind denn da alle besoffen von der Arroganz der Macht?
Könnte man vielleicht die MitarbeiterInnen zum Integrationskurs schicken, dass sie ein paar basics lernen über Legislative – Exekutive – Judikative usw? Allen voran den Chef?

Die Judikative macht übrigens Fortschritte, jedenfalls das Verwaltungsgericht Sigmaringen:

https://www.welt.de/politik/deutschland/article170051355/Abgeschobener-Afghane-muss-zurueckgeholt-werden.html

DAS GILT FÜR ALLE, DIE NACH AFGHANISTAN GEZWUNGEN WURDEN!

Das Urteil aus BAden-Württemberg ist kein Einzelfall – auch eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs in Mannheim ist bemerkenswert:
http://vghmannheim.de/pb/,Lde/Startseite/Medien/Asyl+Afghanistan_+Fluechtlingseigenschaft+zuerkannt/?LISTPAGE=1212860

https://www.swr.de/swraktuell/bw/heilbronn/verwaltungsgerichtshof-baden-wuerttemberg-gibt-afghanischem-fluechtling-recht/-/id=1562/did=20465970/nid=1562/1owwyr2/index.html

Und auch ein weiterer Bericht der „Welt“ ist nicht mehr so tendenziös wie bisher:
https://www.welt.de/regionales/hamburg/article169724288/Es-gibt-so-viele-die-versuchen-sich-umzubringen.html

Hier wird einmal ernsthaft die Perspektive eines Betroffenen geschildert. Ein wichtiger Beitrag gegen die Hetze im Netz, an der sich leider auch die Springerpresse immer wieder rege beteiligt.

Noch eine gute Nachricht: Einer wurde gerettet! Von der Berliner Rechtsanwältin Myrsini Laaser.
(Und wer einen Menschen rettet, rettet die ganze Welt, wie wir wissen). Dazu die Tagesschau gestern:

„Kein Straftäter, Gefährder oder Identitätsverweigerer

Mindestens ein Fall erscheint jedoch zweifelhaft. Die Berliner Anwältin Myrsini Laaser hatte von einem betroffenen Mann berichtet, der am vergangenen Mittwoch in Abschiebehaft genommen wurde. Ihr Mandant sei offensichtlich weder Straftäter noch Gefährder, kritisierte Laaser. Außerdem sei seine Identität zweifelsfrei geklärt. Das geht auch aus dem Haftbefehl gegen ihn hervor. Darin heißt es, gegen den Mann – der seit zwei Jahren in Deutschland lebt – seien nach Kenntnis der zuständigen Behörde keine strafrechtlichen Ermittlungsverfahren anhängig.

Laaser sagte, dass durch die Ankündigung der Regierung, nur Straftäter und Gefährder abzuschieben, jetzt auch ihr Mandant einem solchen Verdacht unterliege. Sie befürchtet, dass er dadurch in Afghanistan in Gefahr geraten könne – wegen einer „unverhältnismäßigen Strafverfolgung“, da auch die Behörden in Kabul nicht darüber informiert würden, wer konkret abgeschoben werde.

Abschiebung kurzfristig ausgesetzt

Anscheinend gibt es mittlerweile auch beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) Zweifel an der geplanten Abschiebung. Nach NDR-Informationen setzte das BAMF die Abschiebung offenbar wenige Stunden vor dem Start des Flugzeugs nach Kabul aus und will den Fall neu prüfen.
http://www.tagesschau.de/inland/abschiebung-afghanistan-133.html

Gestern gegen 20 Uhr haben die „Rückführer“ dann wieder erbarmungslos zugeschlagen, trotz vieler Proteste in Halle/Leipzig und anderswo:

https://www.l-iz.de/politik/sachsen/2017/10/Interview-zu-Abschiebungen-nach-Afghanistan-%E2%80%9ELeben-wie-in-einem-Gefaengnis%E2%80%9C-195449

http://www.nordbayern.de/region/fuerth/furth-protest-gegen-abschiebungen-nach-afghanistan-1.6791226

Der Bayerische Flüchtlingsrat nennt Einzelheiten:

„Sammelabschiebungen nach Afghanistan sind verantwortungslos

14 Flüchtlinge nach Afghanistan abgeschoben, 5 davon aus Bayern / Flüchtlingsrat: Bayern definiert Straftäter und „hartnäckige Identitätsverweigerer“ besonders rigide

Gestern Abend startete ein weiterer Sammelabschiebeflug nach Afghanistan. An Bord waren insgesamt 14 abgelehnte afghanische Flüchtlinge, fünf davon kamen aus Bayern. Was mit diesen 14 Personen geschieht, ist ungewiss. Sicher ist jedoch, dass sie in ein Bürgerkriegsland geflogen wurden, in dem ihr Leben in Gefahr ist. In allen Landesteilen kommt es zu Anschlägen, allein letzte Woche kamen bei einer Anschlagserie der Taliban und des IS mehr als 250 Menschen ums Leben. Das Bundesverkehrsministerium schrieb sogar alle deutschen Fluggesellschaften an und warnte vor einer Landung auf dem Kabuler Flughafen, da dort Raketenbeschuss drohe. Der Abschiebeflug wurde konsequenterweise mit einer tschechischen Chartermaschine durchgeführt.

In einer Pressemitteilung von heute Vormittag erklärt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, es seien aus Bayern nur „hartnäckige Identitätsverweigerer“ sowie Straftäter, „die nicht bereit sind, die deutsche Rechtsordnung anzuerkennen“, abgeschoben worden. Wie schnell man in eine der beiden Kategorien fallen kann, erklärte Herrmann im Juli 2017 auf eine Anfrage der Grünen im Bayerischen Landtag. Danach gilt schon als Straftäter, wer zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen verurteilt wurde – dafür reicht schon Schwarzfahren oder Ladendiebstahl. Als hartnäckiger Identitätsverweigerer gilt bereits, wer nur einmal „gegen seine Mitwirkungsverpflichtung an seiner Identitätsklärung verstoßen hat“.

Im Weiteren warf Herrmann Pro Asyl und dem Bayerischen Flüchtlingsrat vor, mit substanzlosen Aussagen Verunsicherung und Verwirrung in der afghanischen Community zu stiften. Der Bayerische Flüchtlingsrat weist diese Anschuldigungen scharf zurück.

„Innenminister Herrmann erweckt den Eindruck, nur Schwerkriminelle abzuschieben und Flüchtlinge, die hartnäckig jegliche Mitwirkung bei der Identitätsklärung verweigern. Dabei reichen schon geringste Bagatelldelikte oder ein einziger verweigerter Botschaftsbesuch, um im nächsten Abschiebeflieger zu sitzen“, kritisiert Alexander Thal, Sprecher des Bayerischen Flüchtlingsrats. „Diesen populistischen Täuschungsversuch öffentlich zu machen, ist unsere Pflicht als Menschenrechtsorganisation und leider nicht substanzlos! Bayern schiebt rigoros ab und lässt jegliches Augenmaß und jegliche Humanität missen: Einer der Abgeschobenen steht kurz vor der Hochzeit, ein anderer ist psychisch krank, ein psychiatrisches Attest bescheinigt ihm eine schwere Suizidgefahr. Wir fordern ein sofortiges Ende dieser rücksichtslosen Abschiebungen nach Afghanistan!“

Zu den Einzelfällen:

Abschiebung statt Heirat
Mit der gestrigen Abschiebung wurde ein deutsch-afghanisches Paar, das seit zwei Jahren glücklich in München lebt, auseinandergerissen: Farhad, ein junger Afghane, der sich vor Jahren ein paar Bagatellstrafen geleistet hat, wird abgeschoben. Seine Verlobte Sarah, Hotelfachfrau in München, bleibt da. Verschiedenste Eingaben und Bittbriefe haben daran nichts geändert. Alle beteiligten Personen und Behörden wissen, dass die beiden nun auseinandergerissen werden und, wenn überhaupt, erst nach Jahren und mit immensen Kosten wieder zusammenfinden werden. Doch niemand hat der Ausländerbehörde Einhalt geboten, die sagt: das öffentliche Interesse an der Abschiebung ist höher zu bewerten als eine Eheschließung und eine glückliche Beziehung. Das ist christ-sozialer Familiensinn.
Das Paar ist seit zwei Jahren zusammen, und seit März unternahmen beide alle Anstrengungen, die notwendigen Papiere aus Afghanistan zu beschaffen, für beglaubigte Übersetzungen zu sorgen, eine Geburtsurkunde, einen Pass zu bekommen. Dann wurde Farhad in Abschiebehaft genommen. Seine Freundin legte die vollzähligen Papiere dem Standesamt vor, dieses fand die Papiere in Ordnung, und schickte sie zur Genehmigung ans Oberlandesgericht (OLG). Das OLG hätte bereits da sein OK geben können. Doch ein eifriger Beamter fand, man müsse erst noch mal alles prüfen. Mit der letztlich fadenscheinigen Begründung, die Geburtsurkunde könne ja gefälscht sein und müsse erst noch ans Landeskriminalamt geschickt werden, ließ dieser Beamte alle Hoffnungen zerplatzen, eine Hochzeit könne vor der Abschiebung stattfinden. Der gültige Reisepass Farhads hatte vorgelegen, das hätte auch reichen können.
Sarah muss nun ins gefährliche Kabul fliegen, um ihren Verlobten zu sehen. Sie wird weit mehr als 10.000 Euro zusammenkratzen müssen, um die Abschiebekosten zu bezahlen, damit Farhad irgendwann wieder einreisen darf.

„Joachim Herrmann ist das öffentliche Interesse an der Abschiebung eines Bagatellstraftäters wichtiger, als die sonst in der CSU so hochgehaltenen Werte von Ehe und Familie“, kritisiert Stephan Dünnwald den bayerischen Innenminister. „Er kann stolz darauf sein, eine intakte Beziehung von zwei jungen Leuten zerstört zu haben, um damit vielleicht ein paar Popularitätspunkte für die Schließung der „rechten Flanke“ zu gewinnen. Schließlich sind in Bayern bald wieder Wahlen!“

Der zweite psychisch kranke Afghane aus Bayern abgeschoben
Bereits zum zweiten Mal wurde ein psychisch Kranker abgeschoben. Gestern war ein Afghane aus Landshut mit an Bord, auch er psychisch krank, ein psychiatrisches Gutachten bescheinigt im schwere Suizidgefahr. Seit über vier Jahren lebt er in einer Beziehung mit einer Frau mit deutschem Pass. Auch durch diese Abschiebung wird eine intakte Beziehung zwischen zwei Menschen zerstört. Auch in diesem Fall ist völlig ungewiss, wie und ob der junge Mann in Afghanistan überleben soll und kann.
Er erleidet ein ähnliches Schicksal wie Shams Ahmadi aus Passau. Im Januar 2017 wurde Shams Ahmadi rüde verhaftet und zum Abschiebeflug nach Kabul gebracht, nachdem er mehrere Monate in der Psychiatrie stabilisiert worden war. Das Bundesverfassungsgericht fragte bei der Ausländerbehörde an, ob der Mann auch medizinisch versorgt sei. Die Ausländerbehörde behauptete, er bekomme seine drei Medikamente mit auf den Weg und auch die Adresse einer Klinik in Kabul.
Ahmadi kam ohne Medikamente in Kabul an, die Klinik erwies sich als Therapiezentrum mit Gesprächskreis, aber ohne substantielle Behandlung. Die von Ahmadi benötigten Medikamente waren in Kabul nicht zu bekommen. Er verlor die Orientierung irrte tagelang durch Kabul, wurde schließlich von einem Auto überfahren und landete schwerverletzt in einer Klinik, wo er wieder Kontakt zu Unterstützer*innen in Passau aufnehmen konnte. Seit der Abschiebung hängt Shams Ahmadi am Tropf der Unterstützer*innen, sie schicken Geld, Medikamente und bezahlen ein Zimmer. **

http://www.fluechtlingsrat-bayern.de/beitrag/items/sammelabschiebungen-nach-afghanistan-sind-verantwortungslos.html

Dazu ein Kommentar von Uli v. Sanden auf Facebook, dem nichts hinzuzufügen ist:
„…diese Abschiebungen sind zutiefst menschenverachtend, sind verfassungsverletzend; das tödliche Risiko für die Abgeschobenen wird billigend in Kauf genommen –
und nein! christlich sind sie wirklich nicht, die mit dem ‚C‘ im Namen ihrer Parteien“

Na ja, einen Leipziger Kommentar füge ich doch noch hinzu:
„Diese Abschiebungen sind ein Skandal, sollte es wider Erwarten doch eine Hölle geben, werden sich da einige Politiker wiedertreffen.“

* Die Anregung dort anzurufen stammt vom Bayerischen Flüchtlingsrat, deren Schreiben ist hier:

Selbst tätig werden!
Abschiebungen nicht hinnehmen!
Diskussionen anregen!
Neben Kundgebungen, Demonstrationen und weiteren Aktionen, kann auch persönlich bei den zuständigen Behörden Protest kundgetan werden, um den Druck auf alle Beteiligten zu erhöhen und weiterhin zu zeigen, dass Du nicht einverstanden bist, dass weiterhin nach Afghanistan abgeschoben wird! Auch wenn es Straftäter sind, wissen wir noch lange nicht welche Vergehen sie getan haben! Auch wenn es Straftäter sind, haben sie nicht die Todesstrafe verdient!
Jeder Anruf, jede E-Mail, jedes Fax, jeder persönliche Besuch ist wichtig und zeigt, dass Abschiebungen von der Bevölkerung nicht einfach hingenommen werden.
Auch wenn es wie ein Tropfen auf den heißen Stein wirkt, die Masse macht es letztendlich! Wenn nur jeder Dritte bei diesen Aktionen mitmacht, ist es schon ein Gewinn, da die Politiker sehen werden, wie viele Menschen tatsächlich gegen Abschiebungen nach Afghanistan sind!
Nehmt euch die Zeit. Ihr könnt selbst bestimmen welchen Beitrag ihr wie einbringen möchtet; hierzu gibt es verschiedene Möglichkeiten; hier erstmal zwei um es ein wenig einzugrenzen und Gewichtung rein zu legen.
1. Ruft das Bürgertelefon des Bundesministeriums des Inneren an und erfragt, warum aufgrund der unsicheren Lage immer noch Menschen nach Afghanistan abgeschoben werden
a. Der Bürgerservice ist unter der Telefonnummer 0228-99 681-0 oder 030-18 681-0 von Montag bis Freitag in der Zeit von 7:00 – 18:00 Uhr erreichbar.
b. Schreibt eure Einwände (Anhang I Muster) per Mail an: poststelle@bmi.bund.de
2. Schreibt eine Email an alle Bundestagsabgeordneten mit eurem Verlangen und Fragen.
a. Protestmail Anhang I
b. Adressen im Anhang II
3. Schreibt eine Email/ Fax an die SPD
a. Protestmail im Anhang III
b. Adressen im Anhang IV
Wir leben in einer Demokratie und das sollten wir auch nutzen! Ihr müsst keine Angst vor Strafverfolgung oder dergleichen haben, wenn ihr eure Meinung kundtut! Lasst die Politiker wissen, dass ihr mit deren Entscheidung einen weiteren Flieger nach Afghanistan zu schicken nicht einverstanden seid! Ihr habt es mit in der Hand!
Informationen über zukünftige Aktionen:
https://www.facebook.com/KeineAbschiebungenNachAfghanistan
https://www.facebook.com/interventionischeLinkeNuernberg/
www. Fluechtlingsrat-bayern.de
https://fluchtursachen.tk/
https://www.facebook.com/BegegnungstattSpaltung/

An:
BMI (poststelle@bmi.bund.de)
Abgeordneten des Bundestags
Emailadressen im nächsten Anhang zum rauskopieren

Protest gegen geplante Abschiebungen nach Afghanistan am 24.10.2017 und weitere Abschiebungen
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit protestiere ich gegen die geplante Sammelabschiebung am 24.10.17 sowie weitere Sammelabschiebungen nach Afghanistan, solange die Lage dort nicht als Sicher eingestuft worden ist.
Afghanistan ist nachwievor nicht sicher. Selbst das Auswärtige Amt warnt dringend vor Reisen nach Afghanistan. Das letzte Wochenende sind erst wieder ca. 90 Menschen durch Bombenanschläge ums Leben gekommen! Es ist unmenschlich Abschiebungen dorthin durchzuführen.
Der UNHCR verweist darauf, dass sich die bewaffneten Konflikte weiter zuspitzen. Ferner kann der UNHCR aufgrund der prekären und sich ständig ändernden Sicherheitslage vor Ort, keine sicheren
Regionen benennen. Die Zahlen Verletzter, Todesopfer und Menschen die aus ihren Städten und Regionen vertrieben wurden sind 2016 auf Rekordniveau gestiegen. Auch 2017 scheint sich die
Situation nicht zu verbessern. Im Gegenteil – tausende Menschen müssen aufgrund der Kämpfe zwischen terroristischen Gruppen und Regierungstruppen ihre Heimatregion verlassen.
In den letzten drei Monaten ist es vermehrt zu Terroranschlägen in Afghanistan gekommen, bei denen etliche Menschen ums Leben kamen und verletzt wurden! Wie kann in so eine unsichere Lage abgeschoben werden. Wollen Sie das wirklich mit verantworten?
Meinen Sie wirklich, dass ein Straftäter weniger Wert hat als jemand der keine Straftat begonnen hat?
Natürlich müssen Straftäter ihre gerechte Strafe erhalten, aber ist Abschiebung in ein unsicheres Land gerecht?
Und wer fällt unter den Begriff Identitätsverweigerer? Alle die, die keine Hilfe aus ihrem Heimatland erhalten eine Original Taskira zu besorgen? Zählen darunter auch alle die, die bei der Botschaft
vorgesprochen haben aber keine Dokumente erhalten, weil sie keine Originalpapiere besitzen?
Menschen die in Deutschland Schutz vor Krieg, Gewalt und Folter suchen, dürfen keiner Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt werden. Menschen gegen ihren Willen in ein Land, in dem Angst und Krieg
herrscht, abzuschieben widerspricht meinen Vorstellungen von Respekt, Wertschätzung und sozialem Miteinander.
Ich fordere Sie auf Abschiebungen nach Afghanistan zu stoppen!
Mit freundlichen Grüßen

Anhang II
Emailadressen der Bundestagsabgeordneten zum rauskopieren
frakmail@spdfraktion.de ; niels.annen.ma01@bundestag.de ; ingrid.arndt-brauer@bundestag.de ;
rainer.arnold@bundestag.de ;
heike.baehrens@bundestag.de ; doris.barnett@bundestag.de ; ulrike.bahr@bundestag.de ;
bettina.baehr-losse@bundetag.de ; heinz-joachim.bachmann@bundestag.de ;
katarina.barley@bundestag.de ; klaus.barthel@bundestag.de ; matthias.bartke@bundestag.de ;
soeren.bartol@bundestag.de ; baerbel.bas@bundestag.de ; uwe.beckmeyer@bundestag.de ;
lothar.binding@bundestag.de ; burkhard.blienert@bundestag.de ; willi.brase@bundestag.de ;
karl-heinz.brunner@bundestag.de ; karl-heinz.brunner.ma04@bundestag.de ;
edelgard.bulmahn@bundestag.de ; marco.buelow@bundestag.de ; martin.burkert@bundetag.de ;
lars.castellucci@bundetag.de ; juergen.cosse@bundetag.de ; petra.crone@bundetag.de ; ;
bernhard.daldrup@bundetag.de ; daniela.deridder@bundestag.de ; karamba.diaby@bundestag.de ;
sabine.dittmar@bundestag.de ; martin.doermann@bundestag.de ; elvira.drobinski-weiss@bundestag.de ;
elvira.drobinski-weiss.ma03@bundestag.de ; Siegmund.ehrmann@bundestag.de ;
michaela.engelmeier@bundestag.de ; gernot.erler@bundestag.de ; petra.ernstberger@bundestag.de ;
saskia.esken@bundestag.de ; karin.evers.meyer@bundestag.de ; johannes.fechner@bundestag.de ;
fritz.felgentreu@bundestag.de ; elke.ferner@bundestag.de ; ute.finckh-kraemer@bundestag.de ;
christian.flisek@bundestag.de ; gabriele.fograscher@bundestag.de ; edgar.franke@bundestag.de ;
ulrich.freese@bundestag.de ; dagmar.freitag@bundestag.de ; sigmar.gabriel@bundestag.de ;
michael.gerdes@bundestag.de ; martin.gerster@bundestag.de ; iris.gleicke@bundestag.de ;
angelika.gloeckner@bundestag.de ; ulrike.gottschalck@bundestag.de ; kerstin.griese@bundestag.de ;
gabriele.groneberg@bundestag.de ; michael.gross@bundestag.de ; uli.groetsch@bundestag.de ;
wolfgang.gunkel@bundestag.de ; bettina.hagedorn@bundestag.de ; rita.hagl-kehl@bundestag.de ;
metin.hakverdi@bundestag.de ; ulrich.hampel@bundestag.de ; michael.hartnamm@bundestag.de ;
sebastian.hartmann@bundestag.de ; dirk.heidenblut@bundestag.de ; hubertus.heil@bundestag.de ;
gabriela.heinrich@bundestag.de ; marcus.held@bundestag.de ; wolfgang.hellmich@bundestag.de ;
barbara.hendricks@bundestag.de ; heidtrud.henn@bundestag.de ; gustav.herzog@bundestag.de ;
gabriela.heinrich@bundestag.de ; petra.hinz@bundestag.de ; thomas.hitschler@bundestag.de ;
eva.hoegl@bundestag.de ; matthias.ilgen@bundestag.de ; christina.jantz.herrmann@bundestag.de ;
reinhold.jost@bundestag.de ; frank.junge@bundestag.de ; josip.juratovic@bundestag.de ;
thomas.jurk@bundestag.de ; oliver.kaczmarek@bundestag.de ; johannes.kahrs@bundestag.de ;
ralf.kapschack@bundestag.de ; gabriele.katzmarek@bundestag.de ; ulrich.kelber@bundestag.de ;
marina.kermer@bundestag.de ; cansel.kiziltepe@bundestag.de ; arno.klare@bundestag.de ; ;
lars.klingbeil@bundestag.de ; baerbel.kofler@bundestag.de ; daniela.kolbe@bundestag.de ;
birgit.koempel@bundestag.de ; anette.kramme@bundestag.de ; hans-ulrich.krueger@bundestag.de ;
angelika.krueger-leissner@bundestag.de ; christine.lambrecht@bundestag.de ;
christian.lange@bundestag.de ; karl.lauterbach@bundestag.de ; steffen-claudio.lemme@bundestag.de ;
burkhard.lischka@bundestag.de ; gabriele.loesekrug-moeller@bundestag.de ;
kirsten.luehmann@bundestag.de ; birgit.malecha-nissen@bundestag.de ; caren.marks@bundestag.de ;
katja.mast@bundestag.de ; hilde.mattheis@bundestag.de ; matthias.miersch@bundestag.de ;
klaus.mindrup@bundestag.de ; susanne.mittag@bundestag.de ;
bettina.mueller@bundestag.de ; detlef.mueller@bundestag.de ; michelle.muentefering@bundestag.de ;
rolf.muetzenich@bundestag.de ; andrea.nahles@bundestag.de ; dietmar.nietan@bundestag.de ;
uli.nissen@bundestag.de ; thomas.oppermann@bundestag.de ;
mahmut.oezdemir@bundestag.de ; aydan.oezogut@bundestag.de ; markus.paschke@bundestag.de ;
christian.petry@bundestag.de ; jeannine.pflugradt@bundestag.de ; detlef.pilger@bundestag.de ;
sabine.poschmann@bundestag.de ; joachim.poss@bundestag.de ; achim.post@bundestag.de ; f
florian.post@bundestag.de ; wilhelm.priesmeier@bundestag.de ; florian.pronold@bundestag.de ;
sascha.raabe@bundestag.de ; simone.raatz@bundestag.de ; martin.rabanus@bundestag.de ;
mechthild.rawert@bundestag.de ; stefan.rebmann@bundestag.de ; gerold.reichenbach@bundestag.de ;
carola.reimann@bundestag.de ; andreas.rimkus@bundestag.de ; soenke.rix@bundestag.de ;
petra.rode-bosse@bundestag.de ; dennis.rohde@bundestag.de ; rene.roespel@bundestag.de ;
dieter.rossmann@bundestag.de ; michael.roth@bundestag.de ; susann.ruethrich@bundestag.de ;
bernd.ruetzel@bundestag.de ; sarah.ryglewski@bundestag.de ; johann.saathoff@bundestag.de ;
annette.sawade@bundestag.de ; hans-joachim.schabedoth@bundestag.de ; axel.schaefer@bundestag.de ;
marianne.schieder@bundestag.de ; udo.schiefner@bundestag.de ; dorothee.schlegel@bundestag.de ;
dagmar.schmidt@bundestag.de ; matthias.schmidt@bundestag.de ; ulla.schmidt@bundestag.de ;
carsten.schneider@bundestag.de ; elfi.scho-antwerpes@bundestag.de ; ursula.schulte@bundestag.de ;
swen.schulz@bundestag.de ; ewald.schurer@bundestag.de ; frank.schwabe@bundestag.de ;
stefan.schwartze@bundestag.de ; andreas.schwarz@bundestag.de ;
rita.schwarzeluehr-suttner@bundestag.de ; carsten.sieling@bundestag.de ; rainer.spiering@bundestag.de ;
norbert.spinrath@bundestag.de ; svenja.stadler@bundestag.de ; martina.stamm-fibich@bundestag.de ;
frank-w alter.steinmeier@bundestag.de ; christoph.straesser@bundestag.de ; kerstin.tack@bundestag.de ;
claudia.tausend@bundestag.de ; michael.thews@bundestag.de ; karin.thissen@bundestag.de ;
franz.thoennes@bundestag.de ; wolfgang.tiefensee@bundestag.de ; carsten.traeger@bundestag.de ;
ruediger.veit@bundestag.de ; ute.vogt@bundestag.de ; dirk.voepel@bundestag.de ;
gabi.weber@bundestag.de ; bernd.westphal@bundestag.de ; andrea.wicklein@bundestag.de ;
dirk.wiese@bundestag.de ; waltraud.wolff@bundestag.de ;
guelistan.yueksel@bundestag.de ; dagmar.ziegler@bundestag.de ; stefan.zierke@bundestag.de ;
jens.zimmermann@bundestag.de ; manfred.zoellmer@bundestag.de ; brigitte.zypries@bundestag.de

** Shams Ahmadi hat sich wieder bei seinen Betreuern gemeldet. Er ist jetzt in Herat, da es in Kabul zu unsicher ist. Klaus-Peter Metzger schreibt auf Facebook:
„Zur Zeit wartet beim bayerischen Landtag eine Petition für Shams auf Bearbeitung. Shams hat nach wie vor grosse gesundheitliche Probleme und vorallem Schmerzen. Nun suchen wir für Shams Gruppen, Organisationen, Ärzte im Raum Herat, die ihm helfen könnten, Kontakte, Hilfe, Arbeit, vielleicht auch eine Wohngruppe zu finden, und die auch für die Helfer hier in Passau Ansprechpartner sein könnten, um z.B. Medikamente und fin. Hilfe Shams zu Gute kommen zu lassen.“
https://www.facebook.com/profile.php?id=100010369950376&hc_ref=ARQq5Qw-X1ddhkLwmPH2toW8Ms7ma6kny-dKzsF2YicgzIOR_Rknjm1gpRKrfd0-VLU

Kontakt auch über mich möglich: t.nowotny@onlinehome.de

Am Monat abend habe ich vor mehr als 80 Ärztinnen und Ärzten bei der Veranstaltung „Psychisch krank – (k)ein Abschiebehindernis“ u.a. den Leidensweg von Shams dargestellt. Nach mir sprach Dr. Sommer vom Bayerischen Innenministerium, der „zu den Einzelfällen aus Datenschutzgründen nichts sagen“ konnte oder wollte. Auch das ist Arroganz der Macht.


 

 

Neuigkeit zur Petition Vorsicht! Geplante Abschiebung nach Afghanistan am 24.10.2017

https://www.change.org/p/9802088/u/21704974

Thomas Nowotny

83071 Stephanskirchen, Deutschland

16. Okt. 2017 — Gerade am 13.10. ließ Österreich abschieben, unter anderem einen frischoperierten nierenkranken Patienten direkt aus der Klinik:
https://amasosite.wordpress.com/2017/10/15/afghan-returnees-and-their-painful-stories/
Nach der Wahl am 15.10. fragt man sich, wie unter diesen Umständen ein weiterer Rechtsruck in der Asylpolitik aussehen soll … noch kürzeren Prozess als „kurz“en Prozess geht nicht.

Auch die deutsche Bundesregierung kann es immer noch nicht lassen!

Traurige Routine – der bayerische Flüchtlingsrat warnt:
Vorsicht! Geplante Abschiebung nach Afghanistan am 24.10.2017
Die nächste Sammelabschiebung nach Afghanistan ist aller Voraussicht nach für den 24.10.2017 vom Flughafen Leipzig angesetzt. Laut Bundesregierung beschränken sich Abschiebungen auf Gefährder, Straftäter und Personen die über ihre Identität täuschen – wie das im jeweiligen Bundesland ausgelegt wird, bleibt fraglich – Vorsicht ist geboten!
Aktuelle Warnhinweise und weitere Informationen:
Flüchtlinge aus Afghanistan sind von Abschiebung bedroht – jedoch nicht alle, die Mehrheit von ihnen ist vor der Abschiebung sicher. Hier finden Sie Informationen und Materialien wer überhaupt von der Abschiebung bedroht ist und welche rechtlichen Möglichkeiten es gibt, doch noch eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen:
http://www.fluechtlingsrat-bayern.de/material-507.html

Höchste Zeit für Menschenrechte! Schreiben wir den jamaikanischen VerhandlerInnen (danke an die „Zeit“ für das schöne Piratenportrait):

katrin.goering-eckardt@bundestag.de
cem.oezdemir@bundestag.de
christian.lindner@bundestag.de
angela.merkel@bundestag.de
horst.seehofer@bundestag.de

Sehr geehrte Damen und Herren,
Die öffentlichen Diskussionen zu den bevorstehenden Verhandlungen der Jamaica-Koalition lassen befürchten, dass dabei essentielle Menschenrechte unter die Räder kommen.
Sie müssen sich entscheiden, ob der Wille von 13% oder von über 80% der Wählerinnen und Wähler maßgeblich sein soll für die Umgestaltung der Asylpolitik.
Wenn Sie sich für die Mehrheit der Deutschen und für die Menschenrechte der Flüchtlinge einsetzen, muss die folgende Regelung festes Bestandteil des zu schließenden Koalitionsvertrages sein:

„Abschiebungen in eine Region werden ausnahmslos zurückgestellt, solange diese von den Vereinten Nationen als Kriegs- und Krisengebiet im Sinne von Art. 15c der EU-Qualifikationsrichtlinie eingestuft wird. Das bedeutet aktuell: Niemand darf nach Afghanistan abgeschoben werden.
Abschiebungen dürfen nicht die Gefährdung kranker Menschen oder die Trennung von Familien zur Folge haben.“
Mit freundlichen Grüßen

Ebenso wichtig ist das folgende Anliegen einer menschenwürdigen Unterbringung von Geflüchteten. Wer das möchte, kann gern beide Forderungen in einen Brief/eine mail kombinieren.

Pro Asyl hat einen Musterbrief veröffentlicht, der an Landes- wie Bundespolitiker gerichtet ist und gern weiterverwendet werden kann:

Betreff: Asylsuchende nicht über längere Zeit in Erstaufnahmeunterkünften zwangsunterbringen

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir wenden uns heute aus einem besonderen, dringlichen Anlass an Sie: Wir sind besorgt über aktuelle Planungen einiger Bundesländer, nach denen Asylsuchende künftig bis zu zwei Jahre in Erstaufnahmeeinrichtungen bleiben und nicht mehr zur Aufnahme in die Kommunen verteilt werden sollen. Mit der Einführung des §47, Abs. 1b des »Gesetzes zur besseren Durchsetzung der Ausreisepflicht« wurde es den Ländern überlassen, Asylsuchende zu einem Aufenthalt in den Erstaufnahmezentren von bis zu zwei Jahren zwangszuverpflichten. Die dauerhafte Ausgrenzung von Asylsuchenden in Erstaufnahmeeinrichtungen, zentralen Unterbringungseinrichtungen u. ä. hat weitreichende negative Folgen, sowohl für die betroffenen Flüchtlinge als auch für Länder und Kommunen.

Flüchtlingsfeindliche Haltung wird verstärkt

Es kann nicht im Interesse des Landes sein, Asylsuchende dauerhaft in Großunterkünften außerhalb der Kommunen zu isolieren und sie dadurch vom Kontakt zur hier lebenden Bevölkerung auszuschließen. Vorbehalte und Ängste nehmen zu, wenn statt eines einzelnen Menschen und seines Schicksals nur noch eine anonyme Menge wahrgenommen wird.

Mit der Isolierung von Flüchtlingen, womöglich noch hinter Zäunen und Stacheldraht, sendet die Politik überdies ein überaus problematisches Signal an die Bevölkerung: Flüchtlinge als gesellschaftlich Nichtzugehörige und als Sicherheitsproblem. Die ohnehin besorgniserregenden Vorbehalte eines Teils der Bevölkerung werden dadurch verstärkt,  existierende flüchtlingsfeindliche Haltungen bestätigt. Dem gesellschaftlichen Frieden ist damit nicht gedient. Probleme für die Zukunft sind vorprogrammiert, mehr noch: In Großunterkünften leben die Bewohner*innen geradezu auf dem Präsentierteller für Anfeindungen und Anschläge.

Großunterkünfte für Flüchtlinge sind stigmatisierende Zeichen der Ausgrenzung. Bundesländer, die bis heute auf die Verteilung in die Kommunen und wo immer möglich auch die Unterbringung in Wohnungen gesetzt haben, sind auch in dieser Hinsicht gut gefahren.

Angeblich  »schlechte Bleibeperspektive« ist ein schlechtes Kriterium

Bitte führen Sie sich die empirische Erkenntnis der vergangenen Jahrzehnte vor Augen: Ein erheblicher Teil derjenigen, die künftig in der Erstaufnahme langfristig festgehalten werden sollen, wird in Deutschland bleiben.

Die Begründung für die Isolierung – eine angeblich »schlechte Bleibeperspektive« – ist alles andere als stichhaltig: Diese Vorabeinstufung lediglich auf Grundlage der aktuellen Anerkennungsquote des Bundesamtes für das jeweilige Herkunftsland erweist sich tatsächlich häufig als falsch. Eine BAMF-Anerkennungsquote von – wie etwa derzeit bei Afghan*innen – offiziell rund 47%  bedeutet für 100% der ankommenden Afghan*innen eine »schlechte Bleibeperspektive« – also eine falsche Einordnung in schon einmal annähernd der Hälfte der Fälle.  Gerade Afghan*innen haben bei einer Klage gegen den Asylbescheid in rund 60% der Fälle große Chancen auf Erfolg. Insgesamt haben 47% aller Asylsuchenden, die vor dem Verwaltungsgericht Klage gegen den BAMF-Bescheid einlegen, Erfolg – ein weiteres Indiz, dass die vorab definierte Bleibeperspektive kein Kriterium sein kann. Die statistische Grenze, nach der sich die angeblich gute Bleibeperspektive bemisst, ist fragwürdig und zudem rechtlich nicht definiert. Sie widerspricht dem Charakter eines fairen, unvoreingenommenen Asylverfahrens, in dem individuelle Fluchtgründe geprüft werden.

Aus weiteren Gründen erweist sich der Ausschluss von Flüchtlingen anhand der so genannten »schlechten Bleibeperspektive« häufig als falsch: Zahlreiche Menschen, die nicht in die Kategorie »gute Bleibeperspektive« sortiert werden, erhalten später ein Aufenthaltsrecht aus anderen Gründen – und selbst, wenn nicht: Auch angesichts der zu erwartenden langen Asylverfahren vor den Verwaltungsgerichten und angesichts der Tatsache, dass viele schutzsuchende Menschen aus vielerlei Gründen zumindest für mehrere Jahre in Deutschland bleiben werden, macht ihre Isolation und Ausgrenzung keinen Sinn, von den humanitären Argumenten ganz abgesehen. Auch bei Dublin-Fällen kann nicht davon ausgegangen werden, dass alle in den Ersteinreisestaat überstellt werden. Tatsächlich wurden im ersten Halbjahr 2017 nur 3.085 Überstellungen durchgeführt, trotz über 21.500 vorliegender Zustimmungen durch die aufnehmenden Staaten. In vielen Fällen stoppen Gerichte die Überstellung, weil Schutzsuchende bei einer Überstellung in EU-Randstaaten Elend und Obdachlosigkeit ausgesetzt würden.

All dies zeigt: Es ist eine Illusion zu glauben, diejenigen, die man zu Menschen mit angeblich »schlechter Bleibeperspektive« erklärt, würden innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren das Land wieder verlassen. Mit dieser Erkenntnis stellt sich die Frage nach den gesellschaftlichen Folgewirkungen einer Isolation – die Frage nach der Integration.

Hilfestellung bei Asylverfahren wird behindert, Integration erschwert

Die Erfahrungen der 1990er und 2000er Jahre haben deutlich gezeigt, dass eine Unterbringung in isolierten Großunterkünften zu erheblichen Problemen führen kann und eine desintegrative Wirkung hat. Im schlimmsten Fall werden – insbesondere auch durch diskriminierende Begleitregelungen wie Residenzpflicht, Bargeldentzug etc. Integrations- und Teilhabechancen, aber auch Selbsthilfefähigkeiten, Produktivität und seelische Gesundheit mit der Dauerunterbringung in Erstaufnahmen erheblich angegriffen oder gar zunichte gemacht.

Erstaufnahmezentren, die lediglich, wie ihr Name es auch nahelegt, der logistischen und administrativen Bewältigung der Erstaufnahmesituation und ersten Orientierung  der Ankommenden dienen sollten, werden auf diese Weise zu Desintegrationszentren, in denen Flüchtlingen über lange Zeit hinweg Jahre der Zugang zu Schule, Arbeit, neuen Nachbarn, Ehrenamtlichen versperrt wird.
Wer zwei Jahre isoliert ist, lernt nur schwer die deutsche Sprache. Der behinderte Aufbau sozialer Kontakte führt unter Umständen sogar dazu, dass Flüchtlinge in ihrem zentralen Anliegen und Recht auf ein faires Asylverfahren keine angemessene Hilfestellung bekommen.
Auch der Zugang zu unabhängigen Beratungsstrukturen oder Rechtsanwält*innen wird durch die Isolation massiv erschwert. Wer kein Geld hat und der Residenzpflicht unterliegt, der wird an vielen Orten keine Chance haben, sich nach einem Rechtsanwalt umzuschauen. Rechtsanwält*innen werden nicht in gebotenem Maße ihrerseits Beratung und Hilfestellung in teilweise abgelegenen Unterkünften anbieten können, so dass dem Rechtsschutz nicht genüge getan werden kann. Dieser faktische Ausschluss vom Zugang zu Rechtsmitteln scheint bedauerlicherweise in einigen Bundesländern geradezu gewollt. Wer doch rechtlichen Beistand findet und gegen eine Entscheidung vor Gericht zieht, den erwarten bei der aktuellen Überlastung der Verwaltungsgerichte weitere Jahre im Lager.
Vor Ort und in den Kommunen sind es oft ehrenamtliche Helfer*innen, die Asylsuchende dabei unterstützen, Kontakt zu Anwält*innen herzustellen. Mit beschränktem Zugang für Ehrenamtliche zu isolierten Erstaufnahmezentren entfällt diese Unterstützung.

Die Zahl der Fehlentscheidungen des BAMF ist hoch. Ohne Hilfestellung, ohne Rechtsschutz wird davon auszugehen sein, dass vermehrt auch diejenigen keinen Schutz mehr erhalten, denen er zusteht. Es wird schwieriger, Fehlentscheidungen des BAMF zu korrigieren.

Vulnerable Gruppen brauchen besondere Unterstützung

In besonderer Weise inakzeptabel ist die Isolierung für die besonders Schutzbedürftigen. Offenbar sollen auch Minderjährige bzw. Familien mit Kindern nicht von der Dauerunterbringung ausgenommen werden. Für Kinder und Minderjährige ist das Wohnen in Erstaufnahmeeinrichtungen mit erheblichen Nachteilen für ihr psychisches und physisches Wohl verbunden. Dies widerspricht dem Recht junger Menschen, »auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit« (§ 1 Abs. 1 SGB VIII). Dies gilt umso mehr, als dass nach wie vor eine flächendeckende kindgerechte Unterbringung nicht gewährleistet ist. Dies ist mit der UN-Kinderrechtskonvention wohl kaum in Einklang zu bringen.

Minderjährige haben oftmals keinen oder nur einen sehr reduzierten Zugang zu Bildung während der Unterbringung in der Erstaufnahme, da in der Mehrzahl der Bundesländer die Schulpflicht an das Verlassen der Aufnahmeeinrichtung bzw. der landesinternen Zuweisung anknüpft. Dies steht im Widerspruch zu Art. 14 der EU-Aufnahmerichtlinie (2013/33/EU). Hiernach müssen Kinder spätestens nach drei Monaten die Möglichkeit des Schulgangs haben: »Der Zugang zum Bildungssystem darf nicht um mehr als drei Monate, nachdem ein Antrag auf internationalen Schutz von einem Minderjährigen oder in seinem Namen gestellt wurde, verzögert werden.« In einigen Bundesländern erleben wir, dass statt Schule eine Art reduzierter Pseudo-Schulunterricht angeboten wird. Dies kann nicht als Erfüllung der oben genannten Vorgaben angesehen werden.

Zu den besonders von den negativen Folgen betroffenen Gruppen gehören auch traumatisierte Menschen.  Sie werden im deutschen Asylsystem nach wie vor häufig nicht erkannt und sind damit den für sie besonders unzuträglichen Lebensbedingungen besonders ausgesetzt. Die Isolierung hat enorme psychische Wirkung. Traumatische Erfahrungen durch Verfolgung und Flucht lassen sich isoliert in Großlagern kaum überwinden. Es besteht statt dessen die Gefahr, dass die Menschen depressiv, apathisch werden – und es nach einer positiven Entscheidung im Asylverfahren umso schwieriger ist, sie dabei zu unterstützen, auf eigenen Füßen zu stehen, ein neues Leben zu beginnen.

Wir verkennen nicht die Probleme, die in manchen Kommunen durch die Aufnahmeverpflichtung für Asylsuchende bestehen. Sie sind aber nicht dadurch lösbar, dass man die Schutzsuchenden länger in einer unzuträglichen und humanitär nicht vertretbaren Aussonderung in der Erstaufnahme festhält.
Kommunen müssen verstärkt dabei unterstützt werden, Schutzsuchende menschenwürdig unterzubringen und den Anschluss zu Ehrenamtlichen und den Kontakt zur Bevölkerung zu ermöglichen. Nur so können Berührungsängste abgebaut werden und Integration gelingen.

Wir bitten Sie dringend, von allen Plänen zur langfristigen Zwangsunterbringung von Schutzsuchenden in der Erstaufnahme Abstand zu nehmen und stattdessen ein in die Zukunft weisendes, integratives Konzept zur Flüchtlingsaufnahme anzugehen, dass Schutzsuchende angemessen behandelt und der Gesellschaft dienlich ist.

Mit freundlichen Grüßen

Hier noch viele wichtige Beiträge zur „Rückführung“ nach Afghanistan und zur Lage dort:

Amnesty international hat einen ausführlichen Report zur zwangsweisen Rückkehr aus Europa nach Afghanistan veröffentlicht und die Abschiebungen (völlig zu Recht) als illegal bezeichnet.
http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-10/afghanistan-amnesty-international-abschiebungen-eu-illegal

Hier der komplette Bericht mit erschütternden Einzelbespielen.:
http://www.fluechtlingsrat-bayern.de/tl_files/Not%20safe/Amnesty-Bericht-Afghanistan-Abschiebungen-Oktober2017.pdf

Hier eine Aufstellung von Thomas Ruttig dazu:
https://thruttig.wordpress.com/2017/07/15/abschiebungen-nach-afghanistan-europaweit-2017-eine-ubersicht/

Trotz des massiven Drucks sind immer weniger Afghanen zur „freiwilligen“ Rückkehr zu bewegen:

http://www.fr.de/politik/flucht-zuwanderung/migration-bloss-nicht-afghanistan-a-1364702,0#artpager-1364702-0

Perspektivlos: Die Abgeschobenen vom vergangenen Winter, in Kabul gestrandet
https://www.ndr.de/info/sendungen/echo_der_welt/Angst-und-Leere-Abgeschoben-nach-Afghanistan,afghanistan854.html
Eine von vielen Meldungen zur „Sicherheitslage“…
http://www.spiegel.de/politik/ausland/afghanistan-rotes-kreuz-schliesst-zwei-bueros-im-norden-des-landes-a-1172015.html#ref=rss

Pro Asyl hat die Lageberichte des Auswärtigen Amts nochmals ausführlich beurteilt und als unzulänglich kritisiert:
https://thruttig.wordpress.com/2017/10/12/4661/

Themenschwerpunkt Afghanistan im Asyl-Magazin:
https://thruttig.files.wordpress.com/2017/10/20171000am17-3_thema_afgh.pdf

Medico international beklagt in der lesenswerten Analyse „Wir sind die Sintflut“ – auf Afghanistan und den Rest der Welt bezogen – den „Zynismus als Massenphänomen“
https://www.medico.de/blog/wir-sind-die-sintflut-16852/

Dieses Update beginnt und endet mit Österreich…
https://m.kurier.at/chronik/oesterreich/asylbescheid-umzug-einer-oesterreicherin-nach-afghanistan-sei-zumutbar/292.248.994

Das nächste Update wird sich (wie schon länger geplant) mit der europäischen Asylpolitik und dem Widerstand dagegen befassen.


 

 

Neuigkeit zur Petition: Die Petition hebt ab…

https://www.change.org/p/bundeskanzlerin-angela-merkel-keine-abschiebungen-nach-afghanistan/u/21320443

Thomas Nowotny

83071 Stephanskirchen, Deutschland

11. Sep. 2017 — …und der Flieger bleibt (hoffentlich) am Boden.

Am kommenden Dienstag, 12.9.2017, spricht Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel von 17-18 Uhr in Rosenheim auf dem Max-Josef-Platz.
Bei dieser Gelegenheit werde ich ihr mehr als 75.000 Unterschriften zu unserer Petition „Keine Abschiebungen nach Afghanistan“ überreichen.
In den Tagen vor der Übergabe der Unterschriften haben noch einmal viele tausend Menschen unterschrieben – danke dafür!
Entgegen aller Fakten ist für denselben Tag ein Flug nach Kabul geplant (wie im letzten Update berichtet).
An diesem Dienstag ist auch Schulbeginn in Bayern. Leider kann die 11jährige Matilda nicht wie geplant in die 6. Klasse der Realschule gehen, da sie mit ihren 14 und 2 Jahre alten Geschwistern und der psychisch schwer erkrankten Mutter ohne den Vater nach Tirana abgeschoben wurde. Seit sechs Wochen sind die älteren Geschwister praktisch auf sich gestellt. Matilda schrieb am 3.8.2017 einen Brief an die Bundeskanzlerin, den ich an das Bundeskanzleramt weiterleitete und der bis heute unbeantwortet ist. Jetzt werde ich diesen Brief persönlich übergeben.

Pressemitteilung des Bayerischen Flüchtlingsrats, 11.09.2017
Abschiebeflieger nach Afghanistan stoppen!
Am morgigen Dienstag sollen erneut 12 abgelehnte Asylbewerber nach Afghanistan abgeschoben werden / Flüchtlingsrat: „Abschiebeflug innenpolitisch motiviert“
Knapp zwei Wochen vor der Bundestagswahl soll der nächste Sammelcharterflug mit abgelehnten Asylbewerbern nach Afghanistan starten. Am morgigen Dienstag, den 12.09.2017 startet der Flug vom Düsseldorfer Flughafen aus mit voraussichtlich 12 Flüchtlingen und ca. 40 Bundespolizist*innen an Bord. Dabei hat sich die Sicherheitslage in Afghanistan in den letzten Wochen und Monaten sogar noch verschlechtert. Bombenanschläge und Übergriffe auf die Zivilbevölkerung sind in allen Landesteilen an der Tagesordnung.

Das Bundesinnenministerium ist ob der schlechten Sicherheitslage so sehr in Sorge um Polizeibeamt*innen, die Abschiebeflüge begleiten, dass sie das Flughafengebäude nicht verlassen dürfen und mit dem nächsten Flug umgehend nach Deutschland zurückfliegen müssen.

„Dieser Abschiebeflug kurz vor der Bundestagswahl ist offensichtlich innenpolitisch motiviert. Bundesinnenminister Thomas de Maizière scheint jetzt noch einmal richtig Härte beweisen zu wollen, um den rechten Rand geschlossen zu halten und keine Stimmen an die AfD zu verlieren. Der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann, der als CSU-Spitzenkandidat gerne nach Berlin und de Maizière beerben will, hilft natürlich gerne mit und steuert die Hälfte der Abzuschiebenden aus Bayern bei“, kritisiert Alexander Thal, Sprecher des Bayerischen Flüchtlingsrats. „Die Sicherheitslage in Afghanistan ist jedoch extrem schlecht, Abschiebungen sind deshalb buchstäblich lebensgefährlich und nicht zu verantworten!“

Anlässlich der Sammelabschiebung nach Afghanistan finden in mehreren Städten Kundgebungen für ein Bleiberecht für afghanische Flüchtlinge statt, darunter in Köln, Dortmund, Göttingen, Frankfurt, und natürlich am Düsseldorfer Flughafen: www.facebook.com/events/117025672332845/

http://www.fluechtlingsrat-bayern.de/material-507.html

Kundgebung
gegen den ersten Sammelabschiebeflug nach Afghanistan aus NRW
sowie die Abschiebeflüge in die Balkanländer
Kommt am Dienstag, den 12.9. um 17 Uhr zum Düsseldorfer Flughafen!
Wir fordern die NRW-Landesregierung auf den Abschiebeflug abzusagen.

Am Dienstag, den 12.9.2017 um 18:45 soll die nächste Sammelabschiebung nach Afghanistan starten, erstmals wieder seit dem Anschlag nahe der deutschen Botschaft in Kabul. Diesmal startet der Flug von Düsseldorf aus.

Deutschland hatte im vergangenen Oktober ein Rückführungsabkommen mit Afghanistan geschlossen, im Dezember letzten Jahres wurde dann mit ersten Sammelabschiebungen begonnen. Nach dem schweren Sprengstoffanschlag nahe der deutschen Botschaft in Kabul Ende Mai 2017 schränkte die Bundesregierung die Abschiebungen afghanischer Flüchtlinge nur vorläufig ein. Nun plant das Innenministerium noch vor der Bundestagswahl wieder mit Sammelabschiebungen nach Afghanistan zu beginnen.

Morgen wird wieder mit Sammelabschiebungen nach Afghanistan begonnen.

Angeblich nur mit Straftätern, wobei sich diese Behauptung schon bei vorrangegangen Flügen als unwahr herausgestellt hat. Wir müssen wegen dieser scheinheiligen Rechtfertigung der Abschiebungen durch die deutsche Regierung nochmal besonders darauf aufmerksam machen, dass auch Abschiebungen von Straftätern in ein Kriegsgebiet wie Afghanistan nicht zu rechtfertigen sind.

Heftige Kämpfe, Bombenanschläge, bewaffnete Überfälle und Entführungen gehören seit Jahren in allen Teilen von Afghanistan zum Alltag. Teile des Landes werden durch die Taliban kontrolliert. Tausende Menschen verlieren jedes Jahr ihr Leben, ihre Häuser, ihre Lebensgrundlage. Hundert-tausende Afghanen befinden sich bereits auf der Flucht – viele davon als Binnenflüchtlinge oder in den direkten Nachbarländern.
Unzählige Menschenrechtsorganisationen, NGOs und Expert_innen berichten seit Jahren über die katastrophalen Zustände in dem seit mehr als 15 Jahren vom Krieg geschundenen und zerstörten Land.

Fast 3.500 Tote und mehr als 7.900 Verletzte unter der afghanischen Zivilbevölkerung im Jahr 2016 sprechen eine deutliche Sprache.

Abschiebungen nach Afghanistan sind somit Abschiebungen in den Tod und deshalb nichts anderes als die Wiedereinführung der Todesstrafe in Deutschland!

Dagegen wollen wir am Dienstag gemeinsam protestieren.

Wir fordern keine Abschiebungen nach Afghanistan!
Afghanische Flüchtlinge müssen in Deutschland und anderen EU-Staaten weiterhin Aufnahme finden und Schutz erhalten!
Abschiebungen stoppen!!!

Kundgebung gegen die Abschiebungen in den Kosovo, nach Serbien und Albanien

Am 12. und 13. September 2017 sollen neben der Sammelabschiebung nach Afghanistan am Dienstag auch Abschiebeflüge in die Balkanländer vom Flughafen Düsseldorf stattfinden. Wir rufen dazu auf, sich mit den Betroffenen zu solidarisieren und gegen diese Abschiebungen zu protestieren.

Nicht selten sind Menschen, die aus diesen Ländern nach Deutschland fliehen Angehörige der Minderheit der Roma, weil gerade sie in diesen Ländern betroffen sind von Gewalt, Stigmatisierung und rassistische Ausgrenzung aus allen gesellschaftlichen Bereichen: es fehlt an Systemen der sozialen Sicherung wie Krankenversicherung, gehen die Kinder der Roma in die Schule werden sie dort meist ausgegrenzt, der Gang zur Schule wird eine Qual, der sich viele nach einiger Zeit nicht mehr gewachsen sehen, es fehlt an Unterstützung durch solidarische LehrerInnen etc…..ein Teufelskreislauf aus Armut, Ausgrenzung und Perspektivlosigkeit beginnt. Hier in Deutschland gehen laut einer Studie alle Roma zur Schule, im Kosovo z.Bsp. nur noch 25%.

Dazu kommt die rassistische Ausgrenzung der Erwachsenen aus dem Erwerbsleben aufgrund der Zugehörigkeit zur Gruppe der Roma. Haben Roma in diesen Ländern Arbeit, so ist sie meist unterbezahlt und prekär. So sind viele Roma dazu verdammt, informellen Beschäftigungen nach zu gehen, die aber keinen Lebensunterhalt sichern.
Studien belegen, dass viele der in den Kosovo abgeschobenen Roma diesen Ort wieder verlassen, weil sie keine Lebensgrundlage dort haben: der Erhalt von Sozialleistungen ist an schwierige Bedingungen geknüpft, so muss z.Bsp. ein Kind im Haushalt leben, das jünger ist als 4 Jahre. Erhalten sie Sozialleistungen, sind auch diese so gering, dass sie nicht ausreichen. Selbstredend ist daher auch der Zugang zum Wohnungsmarkt erschwert bis unmöglich, Roma leben meist in slumartigen Siedlungen, die jederzeit geräumt werden können und sie zum Ziel von rassistischen
Anschlägen werden lässt. Sie sind schutzlos.

Es ist ein offenes Geheimnis (einmal googlen: „Roma Balkan“), es ist so offen, dass es schon gar kein Geheimnis mehr ist, sondern eine Tatsache: Roma wurden und werden diskriminiert und das nicht nur von einzelnen Bevölkerungsgruppen sondern auch vom Staat, in dem sie leben. Diese „systematische und kumulative“ (also sich anhäufend, weil es viele/ alle Bereiche des Lebens betrifft) Verfolgung könnte durchaus als Verfolgungsgrund gemäß der Genfer Flüchtlingskonvention und somit als Asylberechtigung identifiziert werden. Warum dies nicht passiert, ist uns schleierhaft, deswegen fordern wir den sofortigen Stopp aller Abschiebungen in den Balkan und die Ermöglichung eines normalen Lebens!

Neben all diesem sehen wir besonders Deutschland in einer historischen Verantwortung, fielen doch geschätzte 500.000 Sinti und Roma dem Rassenwahn der deutschen Nationalsozialisten und dem an ihnen geplanten Völkermord zum Opfer.
Deshalb:
ABSCHIEBUNGEN VON ROMA
STOPPEN!!!
ALLE ROMA BLEIBEN HIER!!!

Protestkundgebung:
Dienstag 12.9.2017 um 17 Uhr
Große Halle Terminal B
Flughafen Düsseldorf
Von Bochum organisiert die Gruppe Treffpunkt Asyl eine gemeinsame Anreise ab Bochum.
Treffpunkt: Di. 12.9. 15:40 Bochum Hauptbahnhof, Haupteingang vor Bäckerei Kamps. Wir würden dann um 15.55 mit dem RegionalExpress über Essen und Duisburg fahren.

Keine Abschiebung nach Afghanistan! Keine Abschiebung ins Kriegsgebiet! فارسی ▼

Protestiert gegen den ersten Sammelabschiebeflug aus NRW!
Kommt am Dienstag, den 12.9. um 17 Uhr zum Düsseldorfer Flughafen.
Wir fordern die NRW-Landesregierung auf, den Abschiebeflug abzusagen.

Protestkundgebung:
Dienstag 12.9.2017 um 17 Uhr
Große Halle Terminal B
Düsseldorfer Flughafen

***

اخراج اجباری به افغانستان یک جنایت است افغانستان امن نیست .
به همین منظور انجمن ندای افغان با مشارکت همه اقوام با هم برابر و برادر
افغان و همکاری بشردوستانه نهاد ها سازمانهای آلمانی مان قراره بتاریخ
12/9/2017 تظاهرات برگذار گردد آدرس میدان هوایی شهر دوسلدورف
دوستان و عدالت خواهان و مهاجرین عزیز ایالت نورد راین وستفالن بخاطر داد
خواهی و حق طلبی بیاید و از این حرکت حق خواهی حمایت کنید .تا جلوی پروازی که
قرار است افغانها را به قتلگاه میبرند را بیگیریم
پس دوستان وعده حضور.
روز سه شنبه
ساعت ۱۷:۰۰
میدان هوایی دوسلدورف
صالون بزرگ Abflug Terminal B
ندای افغان شهر دوسلدورف

Aufruf von Afghanischer-Aufschrei / Nedaje Afghan Düsseldorf
afghanischer-aufschrei.de

Protest auch in Frankfurt: Dienstag 12.9. ab 18 Uhr am Hauptbahnhof…

„Am Dienstag, den 12.9. soll die nächste Sammelabschiebung von Deutschland (Düsseldorf) aus nach Afghanistan starten. Angeblich nur mit Straftätern, wobei jetzt schon klar ist, dass die Betroffenen Afghanen nicht alle Straftäter sind. Jedoch möchten wir, wegen dieser scheinheiligen Rechtfertigung der Abschiebungen durch die deutsche Regierung, nochmal besonders darauf aufmerksam machen, dass auch Abschiebungen von Straftätern in ein Kriegsgebiet wie Afghanistan nicht zu rechtfertigen sind. Abschiebungen nach Afghanistan sind Abschiebungen in den Tod und deshalb nichts anderes als die Wiedereinführung der Todesstrafe in Deutschland!

Dagegen wollen wir am Dienstag gemeinsam protestieren.
In Frankfurt wird zu einer Demo aufgerufen.
Wir sammeln uns um 18Uhr am Hauptbahnhof, Frankfurt (Kaisersack)
und werden dann gemeinsam lautstark zur Hauptwache ziehen.

…in München: Freitag 15.9. ab 17 Uhr Odeonsplatz…

Wählen gehen – jetzt erst recht – für Menschenrechte und gegen rechtspopulistische Politik!
Mahnwache und Protestaktion MENSCHENRECHTE WÄHLEN! am Freitag, 15.9., dem „Tag der Demokratie“, ab 17 Uhr auf dem Odeonsplatz, München
Die BRD steht vor einer Bundestagswahl, die man guten Gewissens als historisch bezeichnen kann. Erstmals wird allen Umfragen zufolge eine rechtsextreme Partei in den Bundestagswahl einziehen, nach vier Jahren GroKo ist die Demokratie stark angeschlagen, weite Teile der Bevölkerung fühlen sich bei keiner der antretenden Parteien mehr wirklich aufgehoben. Die Bundeskanzlerin lässt sich international für ihre angeblich liberale Flüchtlingspolitik feiern, in Wirklichkeit hat die Bundesregierung unter ihrer Leitung längst eine 180-Grad-Wende vollzogen. Alle Zeichen stehen auf Ablehnung, Abschiebung, Abschottung. Man ist dem rechten Mob gefolgt und hat einen beeindruckenden Rechtsruck hingelegt, von der „Willkommenskultur“, die 2015 hochgejubelt wurde, ist nichts mehr übrig.
Insbesondere Bayern macht sich stark für eine Politik, in der hart und erbarmungslos gegen Schutzsuchende vorgegangen wird. Man belegt Flüchtlinge mit Arbeitsverboten, verwehrt ihnen den Zugang zu (Aus-)Bildung und Integration, lässt sie in Abschiebelagern verschwinden, die weitgehend rechtsfreie Räume sind. Die brutale Abschiebepraxis trifft besonders gern gut integrierte Menschen, die schon lange hier sind. Auch Kinder, Kranke und Familien werden wie Verbrecher gnadenlos in eine menschenunwürdige Existenz geschickt.
Wir Flüchtlingshelfer sind Zeugen dieses Vorgangs. Wir sind Zeugen von schweren Menschenrechtsverstößen – oder zumindest deren Billigung – durch zahlreiche Vertreter unserer Landesregierungen und der Bundesregierung. Wir beobachten ein erschreckendes Versagen der Behörden (insbesondere des BAMF) und eine Bundesregierung, die diese Behörden massiv beeinflusst, um Ablehnungen der Asylanträge in die Höhe zu treiben. Eine faire und sorgfältige Einzelfallprüfung ist im deutschen Asylrecht nicht mehr existent.
Hinzu kommt die hartnäckige Weigerung der Bundesregierung, Abschiebungen nach Afghanistan auszusetzen – entgegen aller internationalen Berichte von Menschenrechtsorganisationen und unabhängigen Stellen über die permanente Verschärfung der Sicherheitslage dort. SPD-Außenminister Gabriel setzt sich damit sogar über einen Parteitagsbeschluss hinweg nicht nach Afghanistan abzuschieben. Am Tag der Ankündigung, die Abschiebungen nach Afghanistan wieder aufzunehmen, weil Zivilisten nicht wirklich in Gefahr seien, kommen bei einem Anschlag auf eine Moschee in Kabul mehr als 70 Menschen ums Leben. Es ist also mehr als zynisch, wenn am 12.9. wieder eine Sammelabschiebung nach Kabul stattfinden wird, denn AFGHANISTAN IST NICHT SICHER!
Diese dramatischen politischen Entwicklungen bringen uns ehrenamtliche Flüchtlingshelfer*innen und Helferkreise in eine demokratische Bredouille: die CSU ist für uns ohnehin nicht wählbar, weil sie mit „Leitkultur“-Debatte und ihrem ganz eigenen Verständnis von Integration das Antreten der AfD in Bayern obsolet macht. Die ehemalige Volkspartei SPD stellt sich nicht erkennbar gegen diesen dramatischen Rechtsruck unseres Parteiensystems und unserer Gesellschaft.
Dennoch fordern wir jede und jeden auf, am 24. September 2017 wählen zu gehen.
Wir wollen demokratische Prozesse stärken und rufen deswegen dazu auf, Menschlichkeit und Menschenrechte zu wählen. Auch wenn viele von uns das Vertrauen in die etablierten Parteien verloren haben, fordern wir unsere Mitbürger*innen auf, Ihre Stimme nicht zu verschenken und damit die Erosion der Demokratie zu verstärken, sondern sie einer der wenigen Parteien zu geben, die für Menschenrechte und Demokratie stehen und auf keinen Fall zuzulassen, dass die rechtspopulistischen Politik von AfD und CSU weiter gestärkt wird.
Wir werden eine Mahnwache abhalten und ein Menschenbanner bilden, auf dem zur Wahl von Menschenrechten eingeladen wird. Auf Stellwänden werden wir verschiedene Initiativen vorstellen und auf Kampagnen hinweisen, die für die Wahrung und Verteidigung von Menschenrechten stehen. Wir werden bildkräftig und kreativ auf die erschütternde Tatsache hinzuweisen, dass Deutschland und Europa dabei sind, viele Errungenschaften der Zivilgesellschaft zu opfern und die Wertegemeinschaft Europa ad absurdum zu führen. Darüber hinaus rufen wir Euch auf, den Odeonsplatz mit Eurem Helferkreis oder Eurer Bezugsgruppe fantasievoll zu „bespielen“ – d.h. für die Dauer der Kundgebung kleine szenische Darstellungen der Menschenrechtsverletzungen durchzuführen und viele aussagekräftige Bilder zu kreieren.
Zusätzlich ist der öffentliche Kundgebungsraum auch noch mal ein Ort, an dem wir Flüchtlingshelfer*innen in kleinen Gruppen über unsere Wahloptionen diskutieren und – trotz allen angestauten Frustes – hoffentlich so viele wie möglich davon überzeugen können, JETZT ERST RECHT WÄHLEN ZU GEHEN! Jede Stimme für eine demokratische Kraft – selbst für die zahlreichen demokratischen Kleinstparteien – ist eine Stimme gegen Rechtspopulismus von egal wem!
…in Berlin am Samstag 16. September ab 13 Uhr, Innenministerium, Alt-Moabit 140

http://www.welcome-united.org/de/home/

16. September – Antirassistische Parade / commUNITY-Carnival in Berlin
Wir werden uns nicht daran gewöhnen, was vor unseren Augen passiert und zur Normalität erklärt wird: Die Tage werden nicht besser. Das Leid und der Tod sind keine Ausnahme. Sie prägen unser Leben und den Alltag aller, die in diesem Land noch immer nicht dazugehören oder versuchen, hierher zu kommen. Menschen werden beleidigt, bespuckt, geschlagen. Die Solidarität von Hunderttausenden wird mit Füßen getreten. Wir werden misstrauisch angeguckt. Sie bauen Zäune, um uns nicht hereinzulassen. Sie schieben uns ab, damit wir verschwinden. Aber wir sind da. Wir bleiben. Wir haben unsere Hoffnung. Wir haben unsere Wünsche. Wir leben. Welcome united.

Die Erinnerung ist aktueller denn je
Wir geben nicht auf. Wir erinnern uns an den Sommer 2015. Hunderttausende öffneten die Grenzen Europas. Sie waren nicht aufzuhalten, weil sie sich nicht aufhalten ließen. Sie gingen einfach los. Sie setzten sich in Bewegung, um anzukommen. Vom Budapester Bahnhof zur österreichischen Grenze. Bewegungsfreiheit blieb keine Forderung mehr. Die Bewegung nahm sich ihre Freiheit. Für ihr Recht auf Rechte, für ihr Recht auf Anwesenheit, auf Schutz, Hilfe und Zukunft. Der „March of Hope“ bleibt ein unvergessliches Ereignis in der langen Geschichte der Kämpfe für das Recht auf Flucht und Migration.
Auch heute sind wir immer noch viele. Wir sind immer noch da, vielleicht sind wir sogar mehr geworden. Tagtäglich versuchen wir, uns dem Unrecht der Ordnung zu widersetzen. Die kleinen und großen Proteste sind Teil unseres Lebens geworden. Die Hoffnungen des Jahres 2015 sind noch nicht besiegt. Denn sie haben ihren Weg in das solidarische Handeln Abertausender in Deutschland und Europa gefunden. Wir streiten weiter für die Anwesenheit der Geflüchteten und Migrant*innen – oder für unsere Anwesenheit. Wir helfen im Alltag. Wir protestieren gegen staatliche Verfolgung und Abschiebungen. Wir wehren uns gegen den neuen Rechtspopulismus und die alten Nazis. Wir sind da und sind bei denen, die gekommen sind. Wir sind die, die gekommen sind. Welcome united!
From solidarity to politics!
Die aktuelle Politik gegenüber Geflüchteten und Migrant*innen muss sich ändern. Da lassen wir nicht mit uns reden. Das ist für uns ein unverrückbarer Punkt in aller unserer Politik und an alle Politiker*innen:
– Für das Recht zu gehen und zu kommen: Stop the dying!
Das Sterben im Mittelmeer muss aufhören. Jetzt. Sofort. Da gibt es nichts zu reden. Wir verweigern uns der Normalisierung von Tod und Leid an dieser mörderischen Grenze: Wer ertrinkt, wird ermordet! Der tausendfache Tod könnte morgen beendet werden, wenn Menschen ein Flugzeug oder eine Fähre nach Europa nutzen könnten. Stattdessen verfolgen die Herrschenden diejenigen, die helfen. Wir verlangen eine Wende der europäischen Migrationspolitik! Für sichere Fluchtwege, Bewegungsfreiheit und ein Europa des Willkommens!
– Für das Recht zu bleiben: Stop the fear!
Hunderttausende haben es in den letzten Jahren bis nach Deutschland geschafft. Aber Hunderttausende wissen immer noch nicht, ob sie bleiben können. Ohne ein Bleiberecht sind sie weiter Angst, Unsicherheit und Ungewissheit ausgesetzt, anstatt eine Zukunft beginnen zu können. Dazu gehört auch, dass wir Frauen nicht weiter Diskriminierung und Gewalt erleben. Oder dass die unzähligen auseinander gerissenen Familien wieder zusammen leben können. Wir fordern eine klare Haltung aller, die hier politische Entscheidungen treffen wollen: Bedingungsloses Bleiberecht und ein Ende der Abschiebungen und Selektionen – jetzt sofort! Alle, die hier sind, sind von hier und bleiben!
– Für das Recht auf Solidarität: Break the silence!
Das Gesetz unterscheidet zwischen unterschiedlichen Herkunftsstaaten und sortiert uns ein: in die mit guter oder die mit schlechter Bleibeperspektive. Staaten werden als sicher, unsicher oder halb sicher konstruiert. Wer am meisten von Ausgrenzung betroffen ist, Minderheitenangehörige wie z.B. Roma oder nicht der Norm entsprechende Menschen, wird auch hier in einer Warteschleife der Nicht-Anerkennung gehalten. Wir fordern den Ausbau einer Solidarität, die keine Unterschiede anhand der Herkunft macht.
– Für das Recht auf Rechte: Stop Racism!
Unsere Gesellschaft ist nicht erst seit zwei Jahren, sondern seit Jahrhunderten eine Vielfalt von vielen. Wer wohnt noch dort, wo seine Vorfahren geboren wurden und wer arbeitet da, wo er wohnt? Immer kamen Menschen. Immer gingen Menschen. Es gibt keine Rechtfertigung für unterschiedliche Rechte. Ob aus Syrien, Griechenland oder Mazedonien, ob aus Nigeria, Marokko oder Baden-Württemberg. Ob das Recht auf Wohnen, auf Bildung, auf Arbeit, Mobilität oder auf Gesundheitsversorgung. Soziale und politische Rechte gelten für alle, die da sind. Ausnahmslos und von Anfang an.
– Für das Recht, nicht gehen zu müssen: Stop global injustice!
Seit Jahrhunderten rauben einige Länder anderen Ländern ihre Ressourcen. Sklavenhandel, Bodenschätze, mieseste Arbeit und korrupte Regierungen: Der Reichtum des Westens ist auf Ausgrenzung und Ausbeutung aufgebaut. Europa exportiert weiter einen ungezügelten Kapitalismus, der täglich tötet. Menschen fliehen nach Europa, weil sich nichts mehr haben und ihr Leben retten wollen. Alle haben ein Recht auf Unversehrtheit, auf Glück und Zukunft – an jedem Ort auf dieser Welt und nicht nur im Westen.
Unsere Stimme zählt!
Eine Woche vor der Bundestagswahl wollen wir uns zeigen. Wir alle – gemeinsam auf der Straße in Berlin. Wir wollen den Platz für all jene Stimmen und Geschichten öffnen, die sonst nicht gehört werden oder ungehört bleiben sollen. Es sind Erzählungen, die selbst im aktuellen linken „Gerechtigkeitswahlkampf“ noch immer sehr leise sind – auch, weil viel zu viele noch immer kein Wahlrecht haben. Wir sagen: Welcome United!
Wenn wir auf die Straßen gehen, wollen wir sehr viele sein. Alle sollten kommen, denen das Gemeinsame und die Solidarität am Herzen liegen. Alle sollten kommen, die es nicht weiter ertragen, dass an den europäischen Grenzen die Menschen im Elend verweilen, verzweifeln oder sterben. Denn wir wissen, dass viele seit Jahren um ihre Zukunft kämpfen. Jetzt ist es Zeit, gemeinsam unsere Stimmen zu erheben. Wir sind viel mehr als wir denken! We’ll come United!

Wir rufen dazu auf, am 16. September zu einer bundesweiten Demonstration nach Berlin zu kommen – zu einer großen Parade für Teilhabe, Gleichberechtigung und Solidarität. Welcome United. We’ll come United!

http://www.welcome-united.org/de/anreise/

Spenden für die Anreise Geflüchteter nach Berlin:
https://www.betterplace.org/de/projects/56722-buses-of-hope-protestanreise-fur-gefluchtete


 

 

Petition richtet sich an Härtefallkommission und an 1 mehr Amin gehört nach Lüneburg! Stoppt seine Abschiebung!

https://www.change.org/p/amin-geh%C3%B6rt-nach-l%C3%BCneburg-stoppt-seine-abschiebung

Amin lebt seit zweieinhalb Jahren in Lüneburg, einer mittelgroßen Stadt vor den Toren Hamburgs. Wenn ich mit ihm in der Innenstadt unterwegs bin, muss ich in der Regel mehr Zeit einplanen als sonst. Denn Amin trifft an fast jeder Ecke Menschen, die er kennt, und Menschen die ihn kennen. Manchmal wirkt es so als würde er schon immer in Lüneburg wohnen. Bei allen Fragen und Gesprächen hat er immer eine passende Antwort oder einen Tipp parat. Er kennt sich aus in der Stadt, und auch mit der deutschen Gesellschaft, den Werten, wie auch den Rechten & Pflichten eben dieser.

Doch wie passt das zusammen? Nur so kurz hier und schon verwurzelter als viele, die schon immer hier wohnen? Klingt spannend, aber ist das überhaupt möglich bei jemandem, der bei seiner Einreise nur wenig Deutschkenntnisse hatte?
Amin war es möglich!

Er kam Ende 2014 nach Lüneburg, floh aus Afghanistan über den Landweg nach Deutschland. Nachdem er sein Abitur abgeschlossen hatte, arbeitete er zu Hause als Übersetzer für die NATO, musste dann jedoch vor den Taliban flüchten, da sein Leben unmittelbar bedroht war. Er arbeitete für die Amerikanischen und Englischen Truppen, ersatzweise auch für die Deutsche Bundeswehr.

Sein Fluchtweg führte ihn unter anderem durch Rumänien, wo er von Grenzpolizisten festgenommen wurde und in ein geschlossene Unterkunft gebracht wurde. Amin selbst bezeichnet diesen Ort als Gefängnis. Er wurde aufgefordert seine Fingerabdrücke abzugeben, sonst würde er nicht entlassen werden. Das war das Einzige was er verstand. Amin spricht zwar 6 Sprachen, Rumänisch aber nicht.

So verstand er auch nicht, was dieser Fingerabdruck noch für Folgen haben würde.

Er kam frei und reiste weiter nach Deutschland und kam Ende 2014 nach Lüneburg und sein Asylverfahren lief an.

Und was machte Amin?

Amin packte an. Ihm war es nicht genug in Sicherheit zu leben. Nein, er wollte sich so schnell wie möglich in der deutschen Gesellschaft zurechtfinden, seinen Ausbildungsweg fortführen und vor allem die deutsche Sprache erlernen. Meist lernen diejenigen Geflüchteten, die der Englischen Sprache mächtig sind, langsamer deutsch. Nicht so Amin. Anfangs nahm er an ehrenamtlichen Sprachkursen teil – mittlerweile hat er seinen C1-Kurs abgeschlossen. Damit würde er eine Hochschulzugangsberechtigung erhalten. Doch obwohl es ihm bis dato verwehrt blieb seinen Bachelor in BWL fortzuführen, war ihm der Lüneburger Universitätscampus schnell ein zu Hause. Er studierte als Gasthörer im „Brückenstudium“ an der Leuphana Universität, besucht seit über 3 Semestern Seminare und Vorlesungen, und legt auch Prüfungsleistungen erfolgreich ab.

Durch die Teilnahme an universitären Angeboten kam er schnell in Kontakt mit Studierenden und Angestellten der Universität. Es dauerte nicht lange und man fand Amin bei unterschiedlichen Veranstaltungen auf dem Podium als Diskutanten wieder. Gegenüber verschiedenen Bundestagsabgeordneten, UN-Sonderbeauftragten oder dem Lüneburger Bürgermeister konnte er seinen Standpunkt immer eindrucksvoll vertreten. In der Bildungsreihe „Einwanderungsland Europa“, organisiert von der Volkshochschule und der Leuphana Universität, war Amin eine Schlüsselfigur und half mit, dass in Lüneburg ein nachhaltiges Verständnis von Integration gelebt – und öffentliche Gespräche zum Zusammenleben in einer Migrationsgesellschaft stattfinden konnten.

Amin lebt Engagement und so ist es nicht verwunderlich, dass er trotz seiner starken zeitlichen Einbindung zudem in zahlreichen ehrenamtlichen Initiativen tätig ist. Angefangen beim Welcome & Learning Center, einem Ort für interkulturellen Austausch, unterstützt Amin abermals mit seinen Sprachkenntnisse, wie aber auch mit seinem Organisationstalent, indem er z.B. Länderabende oder Vorträge über Flucht organisiert. Im Rahmen der No Border Academy referierte er selbst unter dem Motto „Vom Flüchten bis zum Ankommen“, alles in deutscher Sprache. Auch diese Veranstaltungsformate waren für eine breite Öffentlichkeit geöffnet, sodass sie erfolgreich Menschen miteinander verbanden und ein gesundes Bewusstsein über Flucht & Migration schafften.

Darüber hinaus engagiert sich Amin im Kulturgarten, einem Ort, welcher zum Ziel hat durch das Gärtnern kulturelle Hürden abzubauen. Nicht wegzudenken ist zudem der Fußball für ihn. Er spielt seit zwei Jahren beim FC Dynamo Lüneburg in der ersten Herren Mannschaft, schaffte es schnell sich in die Herzen seiner Mitspieler zu spielen. Dass nach Amin noch weitere Flüchtlinge zu diesem Verein wechselten, ist ebenfalls Amins Verdienst.

Er kann als eine Art Vorreiter in puncto Integration gesehen werden, indem er als gutes Beispiel vorangeht, und andere Flüchtlinge mitzieht.

Seine äußerst soziale und emphatische Art stellt er auch in seiner Rolle als Kulturmittler bei der AWO unter Beweis. Er begleitet andere Geflüchtete zu Behördenterminen. Er übersetzt. Nicht nur für seine Afghanischen Freunde, sondern auch für Menschen aus Syrien oder dem Sudan. Er spricht fließend arabisch.

Insbesondere für die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge stellt er eine wichtige Bezugsperson dar, sodass er regelmäßig deren Unterkunft besucht, mit ihnen kocht oder Hausaufgaben macht.

Wenn Ihr oder Sie tatsächlich bis hierhin gelesen haben, dann haben Sie hoffentlich mitbekommen was Amin für eine Stellung in Lüneburg für viele Menschen hat. Er ist schlicht nicht mehr wegzudenken aus der Lüneburger Zivilgesellschaft. Als Netzwerker, Wertevermittler und Brückenbauer nimmt Amin eine herausragende Rolle in der Völkerverständigung ein: Er baut Hürden ab und zeigt immer wieder eindrucksvoll, wie es möglich sein kann in heutigen Zeiten Parallelgesellschaften zu vermeiden!

Doch wieso nun diese Petition?

Amins Asylantrag wurde von den Behörden abgelehnt, da er durch Abgabe seines Fingerabdrucks in Rumänien unwissentlich einen Asylantrag stellte, unter Zwang. Erst nachdem er schon ein knappes Jahr in Deutschland war, erfuhr er durch seine Anwältin, dass es schlecht um sein Bleiberecht stünde. Ohne sein Wissen bekam er in Rumänien einen Schutzstatus gestattet. Der folgende Rechtsstreit um sein Bleiberecht in Deutschland dauert bis jetzt an und wurde von nun doch vom Gericht abgelehnt. Ein Berufungsverfahren hat keine Aussicht auf Erfolg.

Somit versuchen wir, mit Euch und Ihnen, die letzte Möglichkeit auszuschöpfen: Wir bitten die Härtefallkommission des Landes Niedersachsen sich dem Fall anzunehmen und positiv über Amin’s Bleiberecht in Deutschland zu entscheiden.

Es gehört zu den Errungenschaften des deutschen Rechts über Härtefallkommissionen einen zweiten Blick auf die Betroffenen zu werfen, abseits der Rechtssprechung.

Und so hoffen wir, dass diese Petition den nötigen Nachdruck verleiht, um die Kommission dazu zu bewegen diese Notlage abzuwenden. Für Amin würde eine Abschiebung nach Rumänien den Verlust seiner bisher aufgebauten Existenz in Lüneburg bedeuten. Für Lüneburg würde dies bedeuten einen geschätzten Mitmenschen zu verlieren, welcher alle Kompetenzen mitbringt hier eigenverantwortlich und sozial integriert zu leben.

Wenn dieser junge Mensch mit so vielen (Sprach-)Talenten unter so widrigen Umständen wie den Verlust von Familie, Heimat und Kultur so unermüdlich für Integration und eine offene Gesellschaft kämpft, sollten wir ihm dafür zutiefst dankbar sein und davon lernen. Ihm den Aufenthalt zu verwehren, wäre ein Nicht-Anerkennen dieser Leistung und ein großer Verlust für unsere aufgeklärte Gesellschaft, die genau auf solche interkulturellen Botschafter wie Amin angewiesen ist.

 

Vielen Dank im Namen von Amin, all seinen Freunden & Unterstützern

Diese Petition wird versendet an:

  • Härtefallkommission
  • Innenministerium Niedersachsen

Neuigkeit zur Petition: Fliegeralarm: Sammelflieger nach Kabul nächsten Dienstag, den 12.9. 2017 !

https://www.change.org/p/bundeskanzlerin-angela-merkel-keine-abschiebungen-nach-afghanistan/u/21269689

Thomas Nowotny

83071 Stephanskirchen, Deutschland

6. Sep. 2017 — Der Bayerische Flüchtlingsrat teilt mit:

„Sichere Info, der nächste Sammelflieger soll nächsten
Dienstag, den 12.9. 2017 vom Flughafen Düsseldorf gehen.
Es sind 15 Afghanen gemeldet worden.

Davon 3 Straftäter aus NRW, HH wahrscheinlich ein Straftäter. Es ist aber davon auszugehen, dass in Bayern nicht nur Straftäter drunter sind:

Heute wurde in München bereits ein Afghane gesucht, der kein Straftäter ist. Bitte alle potentiellen Afghanen informieren bzw. in Sicherheit verhelfen. Infos zu Kriterien haben wir auf der Homepage noch stehen.
Sie können uns im Zweifel auch anrufen. Es betrifft selbstverständlich
nur abgelehnte Fälle und keine Frauen, Kinder oder Familien.“

Dieser Flieger muss am Boden bleiben! Ein Pilot von Turkish Airlines hat vorgemacht, wie es geht.

Bis dahin empfiehlt der Bayerische Flüchtlingsrat folgende Vorsichtsmaßnahmen für diese Personengruppe:
„Von Abschiebung bedroht sind alleinstehende, junge Männer, deren Asylantrag rechtskräftig abgelehnt ist (mit Duldung oder Grenzübertrittsbescheinigung (GÜB), Identitätsbescheinigungen oder gar keinem Aufenthaltspapier, weil die Ausländerbehörde dies einbehält), außerdem Straftäter ohne Aufenthaltserlaubnis. Geduldete Afghanen, die sich in einer Ausbildung befinden, sollten eigentlich nicht gefährdet sein, aber hier ist trotzdem Vorsicht geboten…“

„Was zu tun ist:
Wir können die gefährdeten Personen unterstützen.

Schlafplätze organisieren: Bei den vergangenen beiden Flügen haben wir jeweils ein paar Tage im Voraus von dem Termin der Abschiebungen erfahren. Wir hoffen, das wird uns auch weiter gelingen. (hauptsächlich über E-Mail) Unterstützer*innen und Anwält*innen werden über den Termin informiert und gebeten, gefährdete Personen zu informieren und sie zu beraten. Da wir häufig erst recht kurzfristig von dem Termin erfahren, und nicht viel Zeit bleibt, Anwält*innen einzuschalten, muss erst mal für kurzfristige Sicherheit gesorgt werden. Es hat sich als erfolgreich erwiesen, wenn Personen max. 3 Nächte vor dem Termin nicht zu Hause übernachten. Damit das wirklich klappt, brauchen gefährdete Personen einen Schlafplatz für diese Nacht. Die Regierungen verordnen seit neuestem Stubenarrest und fordern in Schreiben dazu auf, dass sich die Personen zu bestimmten Uhrzeiten, zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens in der Unterkunft aufhalten müssen. Dies ist rechtswidrig, gegen solche Bescheide unbedingt klagen.

Blau machen: auch in Berufsschulen und am Arbeitsplatz wird nach Betroffenen gesucht. Es hat sich als hilfreich erwiesen, ein paar Tage um den Termin herum vom Unterricht oder Arbeitsplatz fernzubleiben. Hier gibt es kreative Möglichkeiten, warum man mal nicht kommen kann.

Kirchenasyl: Des Weiteren sind einige gefährdete Personen in ein Kirchenasyl genommen worden. Dies ist eine begrenzte Ressource, und die Kirchen sind sehr zurückhaltend geworden. Sprechen sie dennoch Kirchengemeinden an, die sie kennen, fragen sie rum. Im Einzelfall kann dies die einzige Lösung sein. Auf der Seite www.kirchenasyl.de finden Sie alle notwendigen Informationen.

Asylfolgeantrag: Sie können diese gefährdeten Personen zum Anwalt/zur Anwältin begleiten und prüfen lassen, ob es Gründe für einen Asylfolgeantrag gibt. Dies sollte unbedingt rechtzeitig vor dem nächsten Abschiebeflug geschehen. Am Abschiebetag selbst ist das oft zu spät.
Gründe für einen Folgeantrag sind Tatsachen, die bei der ersten Asylanhörung nicht zur Sprache gekommen sind oder sich inzwischen geändert haben: Krankheit, Familienstand (bei der letzten Abschiebung waren drei werdende Väter betroffen!), Wechsel der Religionszugehörigkeit, etc.

Rechtzeitig handeln! Die meisten Asylrechtsanwält*innen sind gerade mit Fällen so überlastet, dass sie nicht von sich aus ihre Mandantenkarteien durchsehen, um mögliche Abschiebekandidaten zu identifizieren. Also brauchen die potentiell Betroffenen (und die Anwält*innen) hier Unterstützung.

In mehreren Fällen konnte eine Abschiebung gestoppt werden, soweit die Afghanen anwaltlich gut vertreten waren und die Anwält*innen die entsprechenden Anträge noch rechtzeitig stellen konnten. Also jetzt vergewissern, nicht erst, wenn die Nachricht von der Verhaftung kommt.

Was können wir tun? Wir können weitere rechtliche Möglichkeiten prüfen lassen.

Bleiberechtsregelung für Jugendliche nach § 25a AufenthG: Alle Flüchtlinge, die bereits 4 Jahre in der Bundesrepublik leben und entweder 4 Jahre in die Schule gegangen sind oder bereits einen Schulabschluss erworben haben, können zwischen 14 und 21 Jahren eine Aufenthaltserlaubnis für gut integrierte Jugendliche und junge Heranwachsende beantragen. Minderjährige können darüber möglicherweise auch ihren Eltern und minderjährigen Geschwistern einen Aufenthalt verschaffen. Für die Aufenthaltserlaubnis muss ein Pass vorgelegt werden, deshalb sollte vorher sicherheitshalber eine anwaltliche Beratung erfolgen.

Bleiberechtsregelung für Erwachsene nach § 25b AufenthG: Alle Flüchtlinge, die bereits 8 Jahre (alleinstehende Pers.) oder 6 Jahre (Pers. mit minderjähr. Kind) in Deutschland leben und gut integriert sind, können eine Aufenthaltserlaubnis beantragen. Sie müssen dazu einen Pass vorlegen, ihren Lebensunterhalt selbst beschreiten können und über Deutschkenntnisse (A2) verfügen. Auch hier empfiehlt es sich, anwaltliche Beratung hinzuzuziehen.

Ausbildungsduldung: Alle Flüchtlinge, die ein negatives Asylverfahren durchlaufen haben, sich aber bereits in einer beruflichen Ausbildung befinden, haben Anspruch auf eine Ausbildungsduldung nach § 60a Abs. 4 Satz 2 AufenthG und können in dieser Zeit nicht abgeschoben werden. Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung können sie eine Aufenthaltserlaubnis erhalten.

Härtefallkommission: Afghanen, die schon mehr als fünf Jahre hier sind, arbeiten oder eine Ausbildung machen und gut integriert sind, können der Härtefallkommission vorgeschlagen werden. Hierfür können Sie gerne mit uns Kontakt aufnehmen. Allerdings ist hier Vorsicht geboten: Auch wenn ein Fall in die Härtefallkommission eingebracht wurde, ist das kein verlässlicher Schutz gegen Abschiebung. Hier muss im Einzelfall nachgefragt werden.

Aslyantrag abgelehnt, weil letztes Jahr die Klagefrist versäumt wurde? Das BAMF hat ablehnenden Asylbescheiden teilweise falsche Rechtsbehelfsbelehrungen beigefügt. Die Widerspruchsfrist ist damit auf ein Jahr verlängert. Das hat der Verwaltungsgerichtshof (VGH) Baden-Württemberg mit folgendem Urteil (Urt. v. 18.04.2017, Az. Az. 9 S 333/17) entschieden. In den falschen Rechtsbehelfsbelehrungen, die jedem Bescheid hinten beigefügt sind, heißt es u.a., dass die Klage „in deutscher Sprache abgefasst sein“ müsse. Diese Formulierung sei geeignet, beim Betroffenen einen falschen Eindruck von den Erfordernissen an eine Klageeinreichung zu erwecken. Er könne annehmen, er müsse die Klage schriftlich einreichen und selbst für die Schriftform sorgen, so der VGH. Stellen Sie in dem Fall erneut einen Antrag beim VG auf Widereinsetzen des Verfahrens mit der Begründung des Urteils des VGH Baden- Württemberg. So kann es möglicherweise gelingen, doch wieder ins Klageverfahren zu kommen.

Was können wir noch tun? Wir können uns politisch engagieren.
Die Abschiebungen nach Afghanistan sind eine politische Entscheidung. Die Behauptung, es gebe sichere Gebiete, in die abgeschoben werden kann, ist zwar auch unter Politiker*innen umstritten, wird aber vom Bundesinnenminister und einem Teil seiner Länderkolleg*innen vertreten. Mit den Abschiebungen soll außerdem ein starkes Signal nach Afghanistan gesendet werden: „Ihr braucht nicht mehr hierher zu fliehen, Ihr bekommt hier keinen Schutz, Ihr werdet sowieso nur wieder abgeschoben!“ Deshalb ist die große mediale Öffentlichkeit erwünscht, sie bietet aber auch Chancen, die reale Situation in Afghanistan darzustellen.

Politischen Druck ausüben: Wenn Sie gegen diese Politik einschreiten möchten, üben Sie politischen Druck aus z.B. durch Kontakt zu örtlich zuständigen Abgeordnet*innen mit Hinweis auf die nächsten Wahlen, Parteiaustritt, mit Niederlegung von Parteiämtern oder Drohung damit, Organisation von Protesten, Demonstrationen usw., Zeichnung von Petitionen/Protestpostkarten/Protestemails, verfügbar z.B. beim Bayerischen Flüchtlingsrat oder bei Pro Asyl.

Was können wir tun? Wir können präventiv handeln.
Vorbereitung auf die Anhörung: Um Ablehnungen im Asylverfahren möglichst zu verhindern, sollte frühzeitig eine qualifizierte Asylverfahrensberatung, insbesondere eine ausführliche Vorbereitung auf die Anhörung erfolgen. Wir gehen davon aus, dass die meisten ihre Ladung zur Anhörung zeitnah erhalten werden, da das Bundesamt die ganzen noch laufenden Verfahren alle demnächst abarbeiten möchte. Da die Betroffenen wissen, dass sie eine Ladung zur Anhörung demnächst erhalten werden und dass die Ladungen oft sehr kurzfristig kommen (manchmal nur mit ein oder zwei Tagen Abstand), sollte zeitnah über eine anwaltliche Beratung und/oder Vertretung nachgedacht werden. Wer eine kostenlose Anhörungsvorbereitung wünscht, kann sich z.B. an die Amnesty Asylberatung oder an die refugee law clinics wenden. In München bieten arrivalaid.org und der Infobus des Münchner Flüchtlingsrats ebenfalls eine Vorbereitung und auch Begleitung an. Schriftliche Informationen zur Anhörung (in mehreren Sprachen) finden Sie u.a. auf den Webseiten von asyl.net und der refugee law clinic München.

Wir empfehlen allen eindringlich, sich auf die Anhörung vorzubereiten nicht ohne genaue Kenntnisse über den Ablauf und die wichtigen Inhalte in die Anhörung zu gehen. Es ist sehr viel besser, in der Anhörung alle Fluchtgründe plausibel darzulegen, als diese bei einer späteren Ablehnung im Gerichtsverfahren noch nachzutragen.

Was können wir tun? Wir können uns vernetzen.
Damit möglichst alle aus dem gefährdeten Personenkreis informiert sind, müssen Sie sich mit anderen Initiativen und Organisationen in ihrer Region vernetzen. Es gilt herauszufinden, inwieweit Afghanen selbst über Whats App oder andere Medien vernetzt sind. Nehmen Sie Kontakt mit uns vom Bayerischen Flüchtlingsrat auf, so dass wir Sie warnen können, wenn wir vom nächsten Abschiebetermin erfahren. Informieren Sie den Bayerischen Flüchtlingsrat über von Ihnen genutzte Netzwerke (E-Mail, Facebook, Whats App, etc.), so dass wir Sie im Zweifel schnell erreichen können. Nur dann kann es gelingen, gefährdete afghanische Flüchtlinge auch rechtzeitig zu warnen.
Es gibt keine Generallösung. Eine verhinderte Abschiebung bedeutet auch noch keinen Schutz. Aber in der Kombination der hier vorgeschlagenen Maßnahmen kann vielen der betroffenen Personen geholfen werden. Deshalb lassen Sie es uns gemeinsam versuchen!
Kontakt
Büro München| Bayerischer Flüchtlingsrat | Augsburger Str. 13 | 80337 München | Tel: 089 – 76 22 34 | Fax: 089 – 76 22 36 | kontakt@fluechtlingsrat-bayern.de
Büro Nordbayern | Bayerischer Flüchtlingsrat | Gugelstr. 83 | 90459 Nürnberg | Tel: 0911 – 99 44 59 46 | Fax: 0911 – 99 44 59 48″

PRO Asyl hat eine umfangreiche Stellungnahme zu der aktuellen „Lagebeurteilung zu Afghanistan“ veröffentlicht, die das Auswärtige Amt nach dem Terroranschlag in Kabul am 31. Mai 2017 erstellt hat. Die Lagebeurteilung selbst ist als Verschlusssache (VS-Nur für den Dienstgebrauch) ausgewiesen und nicht öffentlich zugänglich. Nach Vorlage des Berichtes hat das Bundesamt vor wenigen Tagen bekannt gegeben, wieder vollumfänglich über Asylanträge von Afghan/innen zu entscheiden.

In einem Begleitschreiben von Innenminister Thomas de Maizière und Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) zu dem Bericht heißt es laut ZDF, „die Darstellung der Sicherheitslage sei unvollständig. Die Minister räumen ein, dass man ‚zu verschiedenen relevanten Aspekten – etwa zur Situation in den von Taliban kontrollierten Landkreisen oder zur Gefährdung bestimmter Volksgruppen – aufgrund der Umstände keine umfassende Auskunft geben kann und insofern Fragen offen bleiben‘.“ (Link zu dem online-Beitrag beim ZDF: http://www.heute.de/opposition-uebt-scharfe-kritik-am-lagebericht-des-auswaertigen-amtes-zu-afghanistan-bamf-prueft-wieder-abschiebung-von-afghanischen-fluechtlingen-47833350.html).

In der „Lagebeurteilung zu Afghanistan“ selbst heißt es hierzu: „Seit dem Anschlag vom 31. Mai 2017 ist die Funktionsfähigkeit der deutschen Botschaft in Kabul massiv und anhaltend eingeschränkt. (…) Gespräche mit afghanischen Behörden und Nichtregierungsorganisationen und Dienstreisen sind derzeit nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Somit bestehen kaum Möglichkeiten zur Gewinnung eigener Erkenntnisse vor Ort. (…) Zur Erstellung der Lagebeurteilung mussten daher neben eigenen wesentlich andere verfügbare Quellen genutzt werden, (…). Zum Teil musste dabei auf Angaben älteren Datums zurückgegriffen werden.“

Unabhängig hiervon erklärte Bundesinnenminister de Maiziere auf der Grundlage der Lagebeurteilung laut ZDF (Link: http://www.heute.de/neuer-bericht-zur-lage-in-afghanistan-bamf-entscheidet-wieder-ueber-asylantraege-47828624.html), dass Abschiebungen nach Afghanistan in begrenztem Rahmen weiterhin verantwortbar seien.

In diesem Zusammenhang kann, wem das Lachen im Hals stecken bleibt, wenigstens den Kopf über folgenden Sachverhalt schütteln: Von der Grünen-Bundestagsabgeordneten Luise Amtsberg danach gefragt, wie die Bundesregierung  sicherstellen will, dass nach Afghanistan abschiebungsbegleitende Bundespolizist/innen vor Ort keiner Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt sind, antwortet das Bundesinnenministerium am 22. August 2017 wie folgt: „Für den Vollzug der Rückführung hat die Bundespolizei Flugverbindungen gewählt, die nur einen kurzen Aufenthalt am Flughafen Kabul erforderlich machen. Weder ist eine Übernachtung noch ein Verlassen des Flughafengebäudes erforderlich.“ So viel zum Vertrauen der Bundesregierung in die Sicherheitslage in Kabul.

Der menschenfeindlichen Ausgrenzungs- und Abschiebungspolitik werden wir weiter entschlossen entgegentreten.

Dazu sind wieder viele Veranstaltungen geplant. Hier ein gutes Beispiel für eine sehr gelungene Aktion:

„In Afghanistan erwartet uns der Tod” sagen Najib, Ahmad Abdul und Samsor. Deshalb haben sie sich mit Schminke Totenköpfe ins Gesicht gemalt. Auf ihren Schildern stand: „Welcome to Afghanistan“.

„Solidarität zählt! Gemeinsam gegen Abschiebungen“ war unser Motto am Dienstagabend. Wir haben zusammen mit über 500 Menschen gegen die Abschiebungen unserer Klassenkamerad*innen nach Afghanistan demonstriert. Wir wollten ein Zeichen setzen, dass Afghanistan nicht sicher ist und die Politik das endlich begreifen soll. Unterstützen Sie uns mit Ihrer Unterschrift!

Laut der UN-Mission Unama sind in diesem Jahr in Afghanistan bereits mehr als 1600 Zivilisten getötet worden. Najib hat erlebt, wie sein Vater von den Taliban getötet wurde, seine Mutter verlor er zuvor im Krieg. Auch Ahmad Abduls Vater und Bruder wurden von den Taliban getötet. Und Samsor weiß nicht, ob sein Vater noch lebt, denn der ist seit Langem verschwunden.

Seit zehn Monaten besuchen sie jetzt eine InteA-Klasse (Integration und Ausbildung) an der August-Bebel-Schule in Offenbach. Mit großem Engagement lernen sie Deutsch und möchten eine Ausbildung machen. Jetzt sollen sie einfach abgeschoben werden.

Afghanistan ist kein sicheres Land! Wir denken, dass Najib, Ahmad Abdul und Samsor Menschen unsere Unterstützung verdient haben. Gemeinsam müssen wir die Abschiebung verhindern! Wir fordern das Bleiberecht für Najib, Abdul Ahmad und Samsor und für alle anderen von der Abschiebung betroffenen Geflüchteten! Schließen Sie sich uns an?

https://www.change.org/p/das-ziel-gemeinsam-die-abschiebungen-von-sch%C3%BCler-innen-stoppen

Zu den geplanten Veranstaltungen eine kleine Auswahl:

Samstag 8. September 2017 um 19.30 Uhr
in den Paulanerstuben, Marienplatz 9, Wasserburg am Inn
„Für Europa, Menschenrechte und eine gerechte Globalisierung“
Diskussion mit Ska Keller (MdEP/Grüne), ich sitze auch auf dem Podium…

Mittwoch 13. September 2017 um 19.30 Uhr Wanderausstellung „Zukunftsangst Afghanistan“
Kulturwerkstatt (AEG-Gelände), Fürther Straße 244d, Nürnberg
Hier auch der Facebook-Link zur Veranstaltung:

https://www.facebook.com/events/355767461502889/permalink/355823018164000/?notif_t=like&notif_id=1504590131497791

Freitag 15. September 2017 von 17 – 18 Uhr, Odeonsplatz München
Mahnwache/Kundgebung MENSCHENRECHTE WÄHLEN
aus Anlass des Tages der Demokratie und der bevorstehenden Bundestagswahlen
http://gemeinsam-fuer-menschenrechte-und-demokratie.de/

…mehr in Kürze!

Pilot fliegt abgelehnten Asylbewerber nicht nach Afghanistan
Ein abgelehnter Asylbewerber konnte nicht nach Afghanistan ausgewiesen werden, weil der Pilot sich weigerte, ihn zurückzufliegen…

 

 

Neuigkeit zur Petition: Amir darf nicht abgeschoben werden!

https://www.change.org/p/bundeskanzlerin-angela-merkel-keine-abschiebungen-nach-afghanistan/u/21193465

Thomas Nowotny

83071 Stephanskirchen, Deutschland

29. Aug. 2017 — Liebe UnterstützerInnen,

Gerade hat Pro Asyl gewarnt, dass die Bundesregierung planen könnte, die für den letzten Abschiebeflug Ende Mai vorgesehenen Menschen
noch vor der Bundestagswahl nach Kabul zu fliegen.

Einer von ihnen ist Amir.

https://www.change.org/p/bayerischer-landtag-amir-darf-nicht-abgeschoben-werden-ac008d82-9489-4c67-a25b-be538071b4c9

Bitte unterstützt alle diese Petition – und kämpft weiter dafür, dass niemand nach Afghanistan abgeschoben wird!

Vor der Bundestagswahl bitte nochmal alle Kandidaten ansprechen. Leider gibt es fast jeden Tag einen aktuellen Anlass in Form eines Anschlags mit vielen toten und verletzten Zivilisten in Afghanistan.
Wer diese Petition noch nicht online unterschrieben hat, sollte es jetzt tun – und / oder Unterschriften auf Papier sammeln und mir bis zum 15.9. schicken:
https://www.dropbox.com/s/k7him95oefwu0yn/Petition%20Afghanistan%20mit%20Unterschriftenliste.pdf?dl=0

Sich christlich nennende PolitikerInnen, aber auch alle anderen sollen unbedingt diese Stellungnahme beachten:

https://www.facebook.com/caritas.deutschland/videos/10155596007043194/?hc_ref=ARQ0iAeVty2IDgpSVnhu-ZMTzI35aDDx8fIB_hjLfOb1RlYZS0iltBHob0GA7UOnZjw&pnref=story

(Für die ohne Facebook:
https://www.caritas.de/magazin/schwerpunkt/bundestagswahl/bundestagswahl2017
Die Caritas schreibt auf Facebook:
Flüchtlinge aufzunehmen verlangt das Grundgesetz.
Sie zu integrieren empfiehlt der Verstand.
Sie nicht in Krisenregionen abzuschieben gebietet die Menschlichkeit.

Wählt Menschlichkeit!


 

 

Neuigkeit zur Petition Schule zeigt Solidarität

https://www.change.org/p/das-ziel-gemeinsam-die-abschiebungen-von-sch%c3%bcler-innen-stoppen/u/21170851

Julia Endres

Deutschland

26. Aug. 2017 — Ich kann mit Freude sagen, dass meine Schule ( August-Bebel-Schule )
uns jetzt auch über ihre Website unterstützt!
Ein riesen DANKESCHÖN!

ABS: Schülerinnen und Schüler engangieren sich: Demo am 29.8. in Offenbach.
Techniker, Fachschule Technik, Selbstständige Berufsschule, August-Bebel-Schule Offenbach, August-Bebel-Schule Hanau Steinheim…

 

 

Die Abschiebungen müssen gestoppt werden! In Offenbach sind ca 70 Schüler*innen betroffen

https://www.change.org/p/das-ziel-gemeinsam-die-abschiebungen-von-sch%C3%BCler-innen-stoppen

Afghanische Mitschüler*innen sollen bleiben! Keine Abschiebung nach Afghanistan!

Wir schreiben diesen Petitionsbrief aus einem wichtigen Grund.
Wir haben an unserer Schule etwas Unglaubliches gehört. Unsere afghanischen Mitschüler Najib Saidbeg, Ahmad Abdul Adellyar und Samsor Sherzad haben einen Abschiebebescheid bekommen.

Die drei Jungen haben sich, weil sie in ihrem Land ihr Leben bedroht sahen, mit sechzehn und siebzehn Jahren alleine auf die gefährliche Flucht von Afghanistan nach Deutschland begeben. Sie haben die damit verbundenen Gefahren überstanden und besuchen seit zehn Monaten eine InteA-Klasse (Integration und Ausbildung) an unserer Schule, der August-Bebel-Schule in Offenbach. Dies ist ein Angebot für Schüler*innen (16 bis 18 Jahre), die grundlegende Kenntnisse der deutschen Sprache für den Übergang in eine Berufsausbildung oder den Wechsel in einen anderen Bildungsgang erwerben müssen. Das Projekt ist auf zwei Jahre angelegt. Seit Beginn werden Najib, Ahmad Abdul und Samsor mit weiteren sechzehn Jugendlichen aus Afghanistan, Syrien, Eritrea, Somalia und Pakistan im Fach Deutsch als Zweitsprache unterrichtet. Mit Fleiß und großem Engagement lernen sie die deutsche Sprache und streben eine Ausbildung an. Der Schulbesuch half ihnen, sich zu integrieren und Freunde zu finden; sie konnten darauf hoffen und damit beginnen, sich eine soziale Existenz aufzubauen. Ende März aber erhielten die drei afghanischen Schüler einen Abschiebebescheid.
Jedes ihrer Schicksale ist einzigartig, aber sie weisen grausame Ähnlichkeiten auf, die erklären, warum sie ihr Heimatland verlassen mussten. Najib hat erlebt, wie sein Vater von Talibanmilizen getötet wurde; seine Mutter hat er zuvor im Krieg verloren. Aus Angst um ihr Leben flohen er und seine zwei Brüder nach Europa. Von seinen Brüdern wurde er auf der Flucht getrennt; er weiß nicht, wo sie sich aufhalten und ob sie überhaupt noch am Leben sind. Auch Ahmad Abduls Vater und Bruder wurden von den Taliban getötet. Ebenfalls weiß Samsor nicht, ob sein Vater noch lebt, denn dieser ist seit Langem verschwunden.
Seit dem Rücknahmeabkommen der Bundesrepublik mit Afghanistan und den darauffolgenden Abschiebebescheiden hat sich das Klima in ihrer Klasse völlig verändert: Viele Jugendliche sind niedergeschlagen, antriebslos und klagen über Schlafstörungen, weil sie Angst haben, abgeholt zu werden. Die Furcht vor einer Abschiebung lähmt, belastet und demotiviert sie. Durch die Androhung der Abschiebung wird alles, was bisher erreicht wurde, in Frage gestellt. Warum schafft das Hessische Kultusministerium ein Projekt, das jungen Flüchtlingen eine Perspektive eröffnet, wenn man ihnen diese sogleich wieder entzieht?
Wir fordern die Verantwortlichen auf, die Abschiebungen nach Afghanistan auszusetzen. Abschiebungen nach Afghanistan sind menschenrechtlich nicht zu vertreten.
Einem Bericht des UNHCR zufolge gab es in Afghanistan im vergangenen Jahr so viele zivile Opfer wie seit sechs Jahren nicht mehr. Auch der Bericht der United Nations Assistance Mission in Afghanistan (UNAMA) dokumentiert seit dem Beginn der jährlichen Berichterstattung für 2016 die höchste Zahl von zivilen Opfern: 11.500 Tote, ein Drittel davon waren Kinder. Afghanistan ist kein sicheres Land! Zu dieser Einschätzung kommt auch das Auswärtige Amt der Bundesregierung, auf dessen Homepage es wörtlich heißt: „Vor Reisen nach Afghanistan wird dringend gewarnt. Wer dennoch reist, muss sich der Gefährdung durch terroristische oder kriminell motivierte Gewaltakte bewusst sein. (…) In ganz Afghanistan besteht ein hohes Risiko, Opfer einer Entführung oder eines Gewaltverbrechens zu werden. Landesweit kann es zu Attentaten, Überfällen, Entführungen und anderen Gewaltverbrechen kommen.“
Es kann nicht sein, dass von offizieller Seite eine akute und offizielle Reisewarnung ausgesprochen wird, gleichzeitig aber unsere Schüler in dieses unsichere Land abgeschoben werden sollen.
Und das ist der Grund, warum wir diese Petition schreiben. Wir denken nicht, dass wir das Unrecht, das unseren drei Mitschülern mit der ihnen angedrohten Abschiebung angetan würde, zulassen müssen. Wir denken, wir können gemeinsam etwas erreichen und wir denken, diese Menschen haben unsere Unterstützung verdient. Allein können unsere Mitschüler nichts bewirken. Aber wir haben die Hoffnung, dass viele Menschen uns durch ihre Unterschrift unterstützen. Wir müssen diese Ungerechtigkeit verhindern.
Bitte helfen Sie, unterschreiben Sie unsere Petition!
Wir fordern das Bleiberecht für Najib, Abdul Ahmad und Samsor und für alle anderen von der Abschiebung betroffenen Flüchtlinge!
Vielen Dank!
Julia Endres von der August-Bebel-Schule und Hibba Kauser vom Stadtschüler*innenrat Offenbach
Die Petition wird versendet an:
Bundeskanzlerin Angela Merkel
Bundesinnenministerium Thomas de Maizière
Kultusministerium
Ministerpräsident Hessen Volker Bouffier
Landesinnenministerium Hessen Peter Beuth
Vize-Ministerpräsident Tarek Al-Wazir
Bündnis 90/DIE GRÜNEN Hessen
CDU Hessen
SPD Hessen
Die Linke
SPD Hessen
FDP Hessen

Diese Petition wird versendet an:

  • Pro Asyl
  • Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl 2017
    Angela Merkel (CDU)
  • Zentrale Ausländerbehörde Frankfurt

Neuigkeit zur Petition: Ohrenbetäubende Stille

https://www.change.org/p/bundeskanzlerin-angela-merkel-keine-abschiebungen-nach-afghanistan/u/20968330

Thomas Nowotny

83071 Stephanskirchen, Deutschland

3. Aug. 2017 — Der Lärm der weiterhin täglich stattfindenden Anschläge in Kabul, Herat und anderswo wird übertönt – vom ohrenbetäubenden Schweigen der Bundesregierung, die bis Ende Juli eine neue Sicherheitsbewertung für Afghanistan angekündigt hatte. Wir können nur hoffen, dass objektive Erkenntnisse dabei endlich berücksichtigt werden, z.B. diese; https://thruttig.wordpress.com/2017/07/17/afghanistan-zahl-ziviler-opfer-wieder-auf-rekordniveau/

Das BAMF stellt seine Entscheidungen bis zum Vorliegen dieser Einschätzung zurück – vielleicht gut für alleinstehende Männer, aber auf jeden Fall schlecht für Familien, die auf Entscheidungen etwa zur Familienzusammenführung angewiesen sind.

Die bayerischen Ausländerbehörden sind aber nicht untätig in diesen Tagen. Im Gegenteil, sie verüben Untaten, bei denen Familien getrennt werden. Eine Abschiebung ist mir persönlich so nahe gegangen, dass ich hier mein komplettes Update teile:

https://www.change.org/p/ministerpr%C3%A4sident-horst-seehofer-keine-abschiebung-von-familie-t-aus-manching-gegen-rechtsfreie-r%C3%A4ume/u/20967949/edit

Katastrophale Nachrichten aus Manching: Die albanische Familie, die von Blutrache bedroht schon unter zwei Abschiebeversuchen leiden musste (siehe letztes Update), wurde am 1.8.2017 nach Tirana abgeschoben – ohne den Vater, der nicht in der Unterkunft war, als um 6 Uhr morgens die Polizei kam.
Das voraussehbare Ergebnis: Jetzt ist die psychisch schwerkranke Mutter, die eigentlich am 1.8. stationär aufgenommen werden sollte, allein mit ihren drei Kindern in Albanien, wo sie panische Angst vor Blutrache hat. Deshalb war sie in den letzten vier Monaten drei Monate lang stationär in der Psychiatrie. Auch die zweijährige Tochter Ina (rechts im Bild) war durch den vorangegangenen Abschiebeversuch schwer traumatisiert und wurde wochenlang im Kinderzentrum München behandelt, ein nächster Termin war für den 9.8. vereinbart.
Ihre älteren Geschwister Zef (14) und Matilda (11) sind mit der Situation völlig überfordert. Um so bewundernswerter finde ich es, dass sie heute den folgenden Brief formuliert haben:

Sehr geehrte Frau Angela Merkel,
Sehr geehrte Damen und Herren,

Wir, die dies schreiben, heißen Zef und Matilda Bardhoku. In diesem Moment sind wir in Albanien und wir sind sehr in Angst und Stress.

Am 1.8. um 6 Uhr ist die Polizei gekommen im Auftrag von der Zentralen Ausländerbehörde. Wir haben uns sehr erschrocken, weil wir noch im Schlaf waren; mein Vater war an diesem Tag nicht in der Unterkunft.

Die Polizei ist zusammen mit dem Jugendamt und einem Krankenwagen gekommen. Unsere Mutter ist seit 20. März psychisch krank. Sie ist drei Monate lang in Kliniken geblieben und wird seit einem Monat von einem Psychiater untersucht und behandelt. Meine zweijährige Schwester Ina wurde durch den ersten Abschiebeversuch traumatisiert und war drei Wochen in der Kinderklinik, sie wird immer mal von der Psychologin behandelt. Sie hatte am 9.8. einen Termin im Kinderzentrum. Am 20.7.17 hatte ihre Kinderärztin Franziska Baiert eine ÄRZTLICHE STELLUNGNAHME ZUR AKTUELLEN GESUNDHEITSSITUATION geschrieben, die wir der Polizei, Jugendamt und dem Arzt gezeigt haben. Der Arzt, den die ZAB bestellt hatte, wollte das gar nicht sehen. Meine Mutter hatte ein ärztliches Attest, da stand, dass meine Mutter in die Klinik in München-Schwabing gehen müsste. Nachdem wir ihnen alle Dokumente gezeigt hatten, hat der Doktor, den die ZAB bestellt hatte, gesagt, der Amtsarzt in München entscheide, ob sie fliegt oder nicht.

Mich, Matilda, haben die mit Gewalt genommen und zum Polizeiauto gebracht, und meine Mutter haben die mit Gewalt genommen, aber meine kleine Schwester hat das Jugendamt genommen. Meine Mutter wollte, dass wir alle in einem Auto fahren, die Polizisten haben meine Mutter mit Gewalt zu dem Krankenwagen gebracht und sie gefesselt. Ina und ich waren zusammen in einem Auto, unser Bruder in einem anderen Auto und unsere Mutter im Krankenwagen. Am Flughafen haben sie uns weiter getrennt gelassen, obwohl meine Mutter geweint hat und gesagt hat, dass sie mit uns bleiben will, doch niemand von denen wollte davon etwas wissen. Meine Mutter hat dem Arzt gesagt, er solle die Atteste ansehen, die bei mir waren.

Ich, Matilda, war da, wo die Polizisten miteinander geredet haben, dass die mit dem Herrn Herrmann gesprochen haben, und er hat gesagt, dass diese Familie abgeschoben werden muss. Meine Mutter haben die mit einem Rollstuhl bis zum Flugzeug gebracht. Als meine Mutter näher am Flugzeug war, war sie traumatisiert und hat geschrien vor Angst. Sechs Polizisten, der Ingolstädter Arzt und der Chef vom Flughafen haben meine Mutter mit sehr viel Gewalt gefesselt ins Flugzeug gebracht. Ich habe die ganze Situation durch das Fenster des Polizeiautos gesehen. Als wir Kinder ins Flugzeug hineingegangen sind, haben wir unsere Mutter in dieser schrecklichen Situation gesehen. Der Körper meiner Mutter war gefesselt, sie wurde außen herum von vier Polizisten festgehalten.

Uns haben die ganz hinten gelassen und meine Mutter war ganz weit weg von uns. Meine Schwester wollte die ganze Zeit zu meiner Mutter gehen, aber die Polizisten haben sie nicht gelassen. Meine Mutter war den ganzen Weg bis Albanien gefesselt.

Jetzt hat meine Mutter Verletzungen am Körper, sie hat sehr viel Kopfschmerzen, sie isst und schläft nicht. Sie hat jetzt auch angefangen, mit sich selbst zu reden. Wir sind bei einer Familie zum Übernachten geblieben, weil wir Angst haben, zu uns nach Hause zu gehen. Meine Mutter kriegt keine Medikamente und sie muss ins Klinikum, aber diese Familie kann ihr nicht helfen, und meine Schwester hat keinen Betreuer, obwohl meine Mutter krank ist. Wir befinden uns in einer schlechten Situation ohne meinen Vater und ohne Sozialhilfe.

Damen und Herren der deutschen Republik, in meinem Namen haben wir auch eine Petition im Deutschen Bundestag eingereicht, dort sind auch die Dokumente unserer Familie.

Ich bitte auch, dass meine Familie wieder nach Deutschland kommt und meine Mutter und meine Schwester ihre Behandlung kriegen und dass wir zusammen mit unserem Vater sind wie eine Familie. In keinem EU-Land ist es rechtmäßig, dass die Familie getrennt wird. Wir haben sehr sehr Angst.

Ich hoffe, dass Ihr uns helft.

Zef und Matilda Bardhoku

Zwei Dinge können Sie tun, um den Kindern und ihrer Mutter zu helfen:

Bei den Verantwortlichen protestieren und die sofortige „Rückführung“ der Familie nach Deutschland fordern:

Herr Kafka hat die Abschiebungen von Anfang an und bis zum bitteren Ende persönlich vorangetrieben, mit juristischen Tricks und Täuschungen und nach dem Motto „tot oder lebendig“.

Leitung ZAB in ARE I Ingolstadt/Manching
Matthias Kafka
Regierungsamtmann
Telefon-Nr.: 08450 2667-330
Zimmer-Nr.: MIK22-0.45
matthias.kafka@reg-ob.bayern.de

Seine vorgesetzte Stelle ist die Regierung von Oberbayern. Verantwortlich für den Bereich Innere Sicherheit, Kommunales und Soziales (???):
Stefanie Weber
Tel. 089 21762330
Stefanie.Weber@reg-ob.bayern.de

Darüber schwebt das
Staatsministerium des Innern usw
Ministerialrat Dr. Hans-Eckhard Sommer
Telefon: 089 2192 2633
Fax: 089 2192 12633
e-mail: Sachgebiet-IA2@stmi.bayern.de

Dessen Chef, Herr Herrmann, wurde eben schon erwähnt. Es gibt auch viele andere Gründe, warum er nicht Bundesinnenminister werden und auch nicht bayerischer Innenminister bleiben darf.

Dessen Chef wiederum heißt Seehofer und ist der Legende nach durch Stimmen aus dem Volk beeinflussbar.

Bitte, probieren Sie es aus und unterstützen Sie die brandneue Petition:
https://www.change.org/p/horst-seehofer-bitte-holen-sie-familie-bardhoku-sofort-zur%C3%BCck-d7b3de51-8803-4a55-8b4a-bc950fa17317/w?source_location=petition_nav

Bitte machen Sie alle mit! Das Bild zeigt die erste Seite des Briefes, den mir Matilda heute per Whatsapp geschickt hat.


 

 

Sajad soll Teil unserer Familie bleiben!

 

 


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