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Dieser Adler flog jeden Tag in die Tierklinik. Der Grund dafür wird dich sprachlos machen — Geschichten
3.17. Marielou und der Deutsche
In meinem lateinischen Schullesebuch gab es eine Fabel von einem Bauern, der im Wald eine verkommene, sterbende Giftschlange fand…
… Er empfand Mitleid mit der armen Kreatur, nahm sie auf und wärmte sie in seiner Achselhöhle. Als das undankbare Tier aufwachte, biss es gemäss seiner Natur den Bauern. Sterbend sagte er diese Worte: “Zurecht sterbe ich. Denn ich habe einem bösen Tier, das sterben sollte, das Leben geschenkt”.
Die Morale muss ein jeder selbst ziehen.
Lüge der Menschheitsgeschichte?
„Phantomzeit-Theorie“ und „Erfundenes Mittelalter“: Lüge der Menschheitsgeschichte?
Karl der Große war im Mittelalter ein mächtiger Herrscher mit großem Einfluss auf die weitere Entwicklung Europas. Was aber, wenn der Frankenkönig in Wahrheit nie gelebt hat? Die These vom erfundenen Mittelalter hält sich hartnäckig. Was hat es damit auf sich? Eine neue Geschichte aus unserer Rubrik „Mystery“.
Karl der Große ist eine der schillerndsten und mächtigsten Figuren des Mittelalters. Von 768 bis 814 war er König des Fränkischen Reichs und dehnte es unter seiner Herrschaft weiter aus. Die bis dato heidnischen Sachsen bekämpfte der Karolinger in langwierigen Kriegen und zwang sie schließlich zur Christianisierung. Mit dem Sieg über die Langobarden zementierte er seine Macht.
Der erste abendländische Kaiser des Mittelalters
Auf dem Höhepunkt seiner Herrschaft wurde Karl zum ersten abendländischen Kaiser des Mittelalters gekrönt. Damit dokumentierte er seine Vorherrschaft in Europa. Aus dem Frankenreich gingen später Frankreich und Deutschland hervor, auch deshalb wurde Karl der Große rückwirkend „Vater Europas“ genannt.
Kulturell kam es unter dem Frankenkönig zu einem Aufschwung. Karl der Große ließ unter anderem eine einheitliche Schriftart, den karolingischen Minuskel, einführen, Schulen bauen und Buchkopien zahlreicher antiker Schriften anfertigen. Aachen wurde sein Herrschaftssitz. Hier starb der mächtige Herrscher und Reformer am 28. Januar 814.
Hat er gar nicht gelebt?
Vorausgesetzt, er hat überhaupt jemals gelebt. Die These, dass genau dies eben nie der Fall war, ist weiterhin im Umlauf. Ist unser Schulwissen über ihn also nichts als reine Fiktion? Sind wir alle eine der größten Lügen der Menschheitsgeschichte aufgesessen?
Ja, sagt der deutsche Publizist und Verleger Heribert Illig, der Urheber des Verdachts. Er behauptet nicht nur, Karl der Große habe nie existiert, der Mann will gleich 297 Jahre komplett aus der Geschichte streichen.
Auf das Jahr 614 sei das Jahr 911 gefolgt, so die abenteuerlich wirkende These aus Illigs 1996 erstmals erschienenem Bestseller „Das erfundene Mittelalter“. Die sogenannte Phantomzeit-Theorie hat seitdem immer wieder Anhänger gefunden. Sie besagt, dass der genannte Zeitraum erst im Nachhinein mit erfundenen geschichtlichen Aussagen und Akten aufgefüllt worden sei.
Doch wer hätte überhaupt ein Interesse an diesem Unterfangen gehabt? Und wer die Möglichkeit, es umzusetzen? Kaiser Otto III. und Papst Silvester II. seien laut Illig die Drahtzieher dieses mächtigen Komplotts gewesen.
Nur wenig archäologische Funde
Nach unserer Zeitrechnung haben die beiden um das Jahr 1000 herum gelebt, laut Illig jedoch tatsächlich bereits um das Jahr 700. Aufgrund einer heiligen Prophezeiung, wonach zur Jahrtausendwende die Zeit des Messias anbrechen würde, hätte Otto die Geschichtsfälschung betrieben, um im Jahr 1000 als christlicher Herrscher an der Macht zu sein. Deshalb, so Illig, hätte Kaiser Otto gemeinsam mit Papst Silvester die Schreibstuben veranlasst, alle Dokumente umzudatieren, Urkunden seien gefälscht und Gebäude falsch datiert worden.
Um seine These zu untermauern, führt Illig scheinbare Belege aus Disziplinen wie der Astronomie, der Kunstgeschichte, der Archäologie und der Literaturwissenschaft an. Der Aachener Dom, so Illig, könne beispielsweise gar nicht aus der Karolingerzeit stammen, die steinerne Kuppel müsse wegen ihrer Bauweise eindeutig jünger sein. Generell gäbe es nur sehr wenige bauliche Zeugnisse und archäologische Funde aus den von ihm angezweifelten Jahrhunderten.
Ist so eine Behauptung vermessen? Die anerkannte Geschichtswissenschaft hält von der These jedenfalls nichts. Und tatsächlich scheint es kaum vorstellbar, dass dieses Vorhaben flächendeckend und nachhaltig in die Tat hätte umgesetzt werden konnte, ohne dass eine Quelle je die Lüge aufgedeckt hätte. Von Mediävisten wurde Illig erst mit Hohn und Spott überschüttet und dann mit Nichtbeachtung gestraft. Der Hauptvorwurf an ihn: Er ignoriere historische Quellen, die nicht zu seinem Lebensthema passen, bewusst.
Gibt es einen wahren Kern?
Eins jedoch scheint sicher: Eine rein objektive Geschichtsschreibung gibt es nicht. Die Aussagen von Zeitzeugen und Geschichtsschreibern sind stets subjektiv eingefärbt. So schreibt beispielsweise die Universität Konstanz: „Eines der vielleicht wichtigsten Probleme ist für den Historiker dabei, dass er die Geschichte erinnerungstheoretisch rekonstruiert, zugleich aber selbst als Individuum in einem lebensgeschichtlichen Kontext mit seinem Thema steht.“
Um sich nicht nur auf die Aussagen von Zeitzeugen zu verlassen, zieht die Geschichtswissenschaft zahlreiche weitere Disziplinen, wie etwa die Astronomie oder die Archäologie, zu Rate.
Die steile These Heribert Illigs hält einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand und wird von vielen schnell ins Reich der Verschwörungstheorien verbannt. Eine aufmerksame Quellen-Kritik, ob sich auch alles wirklich so zugetragen hat, wie die Geschichtsschreiber früherer Zeiten es dokumentiert haben, bleibt weiterhin eine essenzielle Aufgabe modernen Historiker.
Alles wird gut
http://www.zeitpunkt.ch/news/artikel-einzelansicht/artikel/alles-wird-gut.html
Der Wind und die Liebe
Umair Haque erreichte früh den Zenith. Er hatte in Harvard Ökonomie studiert, schrieb eine Reihe von erfolgreichen Büchern, darunter das «New Capitalist Manifesto» und bereiste die Welt als hochbezahlter Berater der disruptiven Wirtschaft. Das sind die hungrigen und blitzgescheiten Leute, denen nichts heilig ist, um zu gewinnen. Mit 35 Jahren, auf dem Höhepunkt seines Erfolgs, überfielen ihn plötzlich so schreckliche Schmerzen, dass er nur noch Kinderbrei essen konnte. Nach einem Monat ging er zum Arzt. Diagnose: Krebs im finalen Stadium, Lebenserwartung: ein Monat. Ein zweiter Arzt bestätigte die Diagnose. Als er nach einem Monat immer noch lebte, erhielt er von den Ärzten noch einmal ein paar letzte Wochen. Und so ging das tatsächlich einige Jahre lang. Immer wieder erhielt er ein letztes Stück Leben geschenkt – ständig neue letzte Tage, eine psychische Tortur Weil er nicht mehr arbeiten konnte, hatte er reichlich Zeit, über sein Leben nachzudenken und zum ersten Mal war er ruhig, friedlich und glücklich. Die Last der Zukunft, der Karriere und des Erfolgs war verschwunden – reine Gegenwart. Und wie es so geht, wenn man glücklich und offen ist, verliebte er sich. Die Frau erkannte auch die Quelle seines Leidens: Sonnenlicht. Haque litt tatsächlich an einer sehr seltenen Krankheit, bei der das Sonnenlicht Veränderungen im Blut auslöst.
Seit einigen Monaten arbeitet er nun wieder als Coach und Berater für die «grossen Künste des Lebens», die man nicht in der Schule lernt: Kreativität, Bescheidenheit, Leidenschaft, Rebellion, Dankbarkeit, Schönheit, Wahrheit, Sinn, Empathie, Liebe. Auf seinem Blog veröffentlicht er wunderbare Texte, wie «Den Wind sehen», der so beginnt:
«Den Wind kannst du nicht sehen. Du kannst das Blatt sehen, wie es im Wind wiegt, die kräuselnden Wellen auf dem Wasser. Du kannst alles versuchen, den Wind kannst du nicht sehen. Und trotzdem ist er überall.
So ist es auch mit der Liebe. Du kannst alles versuchen, du wirst sie nicht sehen. Es gibt nichts zu sehen. Und trotzdem ist sie in allem.
Sie ist auf dem Gesicht eines Neugeborenen, zwischen den Händen eines Paares, am Bett eines alten Menschen. Wo ist sie nicht?
Das ist ist nicht unsere Art, zu sehen. Wir suchen nach Liebe. Aber wir betrachten sie nicht. Und das ist einer unserer grössten Fehler.
Verzweifelt suchen wir nach Liebe, Leidenschaft und Wärme – in Dingen, Leuten, Karrieren, Gesichtern und Orten. Wir wollen sie, begehren sie, sind hungrig nach ihr. Dann fragen wir uns: Wo gibt es Liebe in dieser grossen Welt? Dabei schauen wir gar nicht richtig. Wir versuchen, den Wind zu sehen.
Was geschieht, wenn wir erfolglos den Wind zu sehen versuchen, wenn wir nach Liebe suchen, anstatt sie zu betrachten? Ärger entsteht, Angst, Scham und Schuld. Vielleicht können wir den Wind nicht sehen, weil wir nicht gut genug sind, schlau oder intelligent genug, schön genug. Vielleicht sind wir blind oder irgendetwas stimmt nicht mit uns.
Aber alles ist in Ordnung. Wir versuchen einfach, den Wind zu sehen. Hör einfach auf. Dies ist die Wurzel des Leidens. Wir versuchen unentwegt, dieses Ding genannt Liebe zu sehen, um sie zu fangen, zu halten, abzufüllen und für uns zu behalten. Aber wir können nur ihr Kräuseln sehen, ihre Wellen und Wirkungen. Sie ist mächtiger als wir, und genau das will es uns lehren. Hör einfach auf mit dem Versuch, den Wind zu sehen. Suche nicht nach Liebe. Betrachte sie. Lass los. Und Ärger, Angst, Schuld und Scham werden gehen. Dann bist du frei, oder nicht?»
Die Fortsetzung und andere schöne Geschichten sind zu finden auf Umair Haques Website https://umairhaque.com