eckehardnyk • bumi bahagia / Glückliche Erde
Eckehardnyk, 2. März NZ 13
1
„Wer erklärt uns die Welt?“
titelte 1998 das Monatsheft GEO. Man berichtete über die Annäherung zwischen Mystik und Naturwissenschaft. Sicher, da wird viel Wissenswertes bewegt. Aber was antwortest du,von eurem Kind gefragt: Wie funktioniert Welt? Da steckt doch in jedem seiner unzähligen Warums eine Bitte, die zugleich Zumutung vom Höchsten und Wirkung vom Tiefsten ist. Sehen wir’s von der einfachen Seite: Der, der die Welt geschaffen hat, sollte sie auch, bitte, erklären!
2
Für euer Kind bist Du Schöpfer, folglich auch Erklärer. Gehörst zu denen, die Gott für den Urheber halten, solltest du dich im Lauf deines bisherigen Lebens den Sinn Seiner Schöpfung von Ihm erklärt haben lassen. Wie du das anstellst, bleibe deiner Intuition überlassen. Und daraus kannst du eurem Kind, möglichst bildhaft und sinngemäß etwas berichten. – Denkst du stattdessen an einen Knall als Beginn für das All, na dann, viel Glück! Die Frage ist eben, wer oder was waltet eigentlich in Allem, was ist, in den unermesslichen Räumen, in der scheinbar endlosen Zeit und in den Abgründen einer Seele?
3
Ist es tatsächlich der Nachhall vom Urknall? Oder bildete den Uranfang das Göttliche doch? Wie gesagt, unser Kind vertraut voll darauf, dass wir, also auch du, das wissen, und, was noch viel schwerer wiegt, dass wir das auch sind, was wir wissen. Da bist du im ersten Moment überrascht oder siehst dich auch als überfordert einer solchen Vollkommenheitsunterstellung1 gegenüber, abgesehen von der Zumutung an Wissen und Sein! Doch dein Kind mutet dir nur das zu, was du, wenn auch mit Anstrengung, vermagst; es verdankt den Eltern – zumindest leiblich – sein Dasein und es hält sich vorerst ans offensichtliche und leibliche Sein; und an den, der es bewirkt, der es „gemacht“ hat. Denkst du jetzt an den Klapperstorch? Der bist du selbst.
4
Mal ehrlich, bei welcher Vorstellung fühlst du dich besser? Ein Knall zu sein oder ein Gott? Du magst denken, ich hätte ja einen Knall, vielleicht ein Knalltrauma; doch die Anfragen meiner kleinen Klienten haben immer einen Nachhall erzeugt, in dem mehr mitschwingt (waltet!) als ein Mordskrach. Da zwitschert so etwas wie Besinnung, ein „Wozu das Ganze?“ mit. Und immer, wenn du über die kosmische Entstehung sinnierst, könntest du weit innen oder tief unten eine Stimme raunen hören: „Und du auch bist mehr oder weniger dabei gewesen!“ Das klingt wie die Sonne, die in jedem von uns wie im Faust-Prolog „nach alter Weise“ tönt. Wir sollten darauf immer wieder mal achten. Doch wenn wir genauer hinhören, werden wir gewahr, dass wir außer dabei, es sogar selbst gewesen sind; denn was wir in uns haben, sind außer der „Sonne“ Wir selbst. Und Selbstsein ist auf einer höheren Stufe der Entwicklungsstufe Gott Sein, das vom Urbeginn an in jedem Menschen vorhanden war.
5
Deshalb trifft auch auf dich zu, was Goethes Faust I -Prolog die Sonne sein lässt, etwas, das niemand ergründen kann und mag. Das ist der Mensch in seiner Tiefe, Höhe und Weite; das sind wir. Und dein Kind wird es ebenfalls sein. Wir Meenschensöhne sind es. Das mag dich zunächst erschüttern, aber es ist der Grund, warum wir Gottn nie mals zu sehen bekommen, so wie ohne Spiegel wir uns selbst nie ins eignen Auge blicken könne. Er ist dennoch „mitten unter uns“(wenn wir ihn reiulassen), zu finden, wenn nur zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind.2 Bleib bei ihm, sei mutig Er, also Du selbst in dir, dann bist du auch du selbst in dir
6.
Jetzt verstehen wir auch besser, warum unsere Kinder solch immenses Zutrauen bei uns finden. Sie erleben live das Spiel „Schöpfungsgeschichte“ mit ihrer augenblicklichen Existenz, ein „Mysterienspiel“, wenn das erlaubt ist zu sagen. Es ist das Vertrauen, das dadurch entsteht, dass der Verursacher von Allem auch in Allem waltet in Allem, was ist. Und der Garant dafür sind für euer Kind zunächst ausschließlich nur Eltern, bei Waisen die konstanten Begleiter, in welcher form auch immer.
7
Akzeptieren Sie diese Rolle in aller Demut! Halten wir uns gemäß der Anschauung des Kindes3 einfach stellvertretend für Gott, quasi als dessen Vikar auf Erden; das reicht eurem Nachwuchs. Es soll durch euch ja nur die Voraussetzung bekommen, dass es am Ende der Zeit sein eigner Schöpfer sei, auch wenn eines Tages die Heimkehr aussieht wie der „verlorene Sohn“ (oder wie die verlorene Tochter), und zu Hause „bei sich“ (chez soi, wie man Französisch sagt) in seinem Geist den Ursprung, den wahren und einzigen Vater als den Grund für sich und für Alles und sich selbst finden kann. 4
_________
1 SieheKapitel 2.12 Vollständigkeit contra Vollkommenheit, ab Szene 84. Niemand auf der Erde Inkarniertem wird unterstellt, vollkommen sein zu müssen
2 Matthäus 18,20
3 Auch wenn der Entwicklungsgang dahin noch so lang dauert
4 Das Gleichnis vom Verlorenen Sohn existiert nur bei Lukas 15,11-32
(c) eah, Abenteuer Erziehung 2012 und 2. März 2026