http://www.spektrum.de/news/als-es-atombomben-regnete/1393804
Vor 50 Jahren explodierte ein US-Langstreckenbomber über dem spanischen Küstenort Palomares und verlor vier Wasserstoffbomben. Erst heute nähern sich die Dekontaminierungsarbeiten ihrem Ende.
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Der Grund dafür war die Mission des Bombers, der zur Hochzeit des Kalten Krieges mit vier mächtigen Wasserstoffbomben unterwegs war. Im Rahmen der Operation „Chrome Dome“ von 1960 bis 1968 waren laufend Bomberstaffeln auf vier verschiedenen Routen rund um die Sowjetunion in der Luft: Mit genügend Abstand zum sowjetischen Luftraum, um für die sowjetischen Frühwarnsysteme keine akute Bedrohung darzustellen – aber nahe genug, um innerhalb weniger Flugstunden tief in die Sowjetunion eindringen und dort ihre tödliche Fracht abliefern zu können.
Allzeit bereit zum Inferno
Die eiskalte Logik des Kalten Krieges: Hätte die Sowjetunion die USA mit einem nuklearen Erstschlag angegriffen und alle wichtigen Flugplätze ausgeschaltet, wären die in der Luft befindlichen Bomber immer noch in der Lage gewesen, einen massiven Vergeltungsschlag auszuführen. Hierzu hatten sie eine Einsatzmappe mit dem Hinweis top secret an Bord, in der sich der Angriffskode zum Scharfmachen der Atomwaffen befand, sowie vier Haupt- und vier Ausweichziele. Stanley Kubricks Meisterwerk „Dr. Strangelove“ (auf Deutsch: „Dr. Seltsam – oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben“) stellt viele dieser Gegebenheiten und militärischen Gepflogenheiten ironisch überspitzt, aber mit bemerkenswerter Detailtreue dar.
Jeder der amerikanischen Langstreckenbomber trug vier Wasserstoffbomben an Bord, jede von ihnen mit einer Sprengkraft, die rund 100-fach höher lag als die Bomben von Hiroshima und Nagasaki…
© U.S. Air Force photo by Tech. Sgt. Jacob N. Bailey
Unfall beim Tanken
Absurdes Theater
So weit war der Unfall für Palomares zunächst glimpflich ausgegangen. Doch drei Kilogramm Plutoniumstaub waren über weite Areale verteilt und kontaminierten landwirtschaftliche Flächen. Ein Teil war auch ins Mittelmeer geweht worden, wo es sich noch heute etwa in Meerestieren nachweisen lässt. Eine riesige Aufräumaktion mit 1700 amerikanischen Soldaten und Mitgliedern der spanischen Guardia Civil begann.
Rund 1400 Tonnen Erde in knapp 5000 Fässern transportierte ein Spezialschiff der Navy in ein Atommülllager in den USA.
Bild vergrößernGeborgene Wasserstoffbombe von Palomares
Ein halbes Kilo Plutonium ist noch im Boden
„In Form von Aeorosolen ist es sogar besonders gefährlich für die Gesundheit wie im Fall von Palomares“, sagt Xanthe Hall, Expertin für Atomwaffen bei der Organisation IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges – Ärzte in sozialer Verantwortung e. V.). „Wissenschaftler von Princeton errechneten 2001, dass pro inhaliertem Milligramm Plutonium etwa 2,85 Todesfälle zu erwarten sind. Das US-amerikanische BEIR-Komitee schätzt die Zahl sogar noch höher ein: sechs bis zwölf Krebstote pro Milligramm.“
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„Chrome Dome“ lief nach dem Unfall bei Palomares nur noch zwei Jahre weiter. Nach einem ähnlichen Unglück mit einem B-52-Bomber bei der Thule Air Base in Grönland im Jahr 1968 beendete die US Air Force die Operation. Dort war die Strahlenbelastung noch deutlich stärker – vor allem für die Dekontaminierungskräfte. Allerdings war keine zivile Ortschaft betroffen. Die Einstellung von „Chrome Dome“ erfolgte aber nicht aus humanitären Gründen: Land-und-U-Boot-gestützte Interkontinentalraketen hatten es dank ihrer Zweitschlagkapazität möglich gemacht, auf die teuren, unfallträchtigen und in der Öffentlichkeit immer kritischer gesehenen Dauerpatrouillen mit nuklear bestückten Langstreckenbombern zu verzichten.
ICH BIN LUISE


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